Moers: Vor der Kaserne . . .
VON ANJA KATZKE - zuletzt aktualisiert: 10.03.2007Moers (RPO). Die Melodie kennt jeder, die ersten Liedzeilen auch: Das Grafschafter Museum widmet in Zusammenarbeit mit dem niederländischen Nationalen Befreiungsmuseum dem Lied „Lili Marleen“ eine Ausstellung unterm Dach.
Zusammenarbeit
Lili Marleen ist nicht die erste Ausstellung, die das Grafschafter Museum in Moers mit dem Nationalen Befreiungsmuseum Groesbeek zeigt, dessen Leiter P.H. Lenders morgen auch zur Eröffnung kommt. Eingeleitet wurde die Zusammenarbeit mit der Ausstellung „Bomben auf unser Haus“. Die von der Euregio Rhein-Waal geförderte Präsentation des niederländischen Nationalen Befreiungsmuseums in Groesbeek war Teil des deutsch-niederländischen Projektes „60 Jahre Frieden“.
Dieses Lied ist ein Phänomen: Im Zweiten Weltkrieg sangen es die Deutschen mit Lale Andersen, und die Alliierten auch. Später trug Marlene Dietrich den Song vor amerikanischen Truppen vor. Damals entstanden englisch- und französische Versionen. Bis heute tauchen immer wieder neue Varianten des Liedes auf, dessen Text Hans Leip bereits im Ersten Weltkrieg verfasste. In 40 Sprachen wurde es übersetzt. Ab morgen zeigt das Grafschafter Museum in Moers gemeinsam mit dem Nationalen Befreiungsmuseum Groesbeek die Ausstellung der Stiftung Haus der Geschichte. Die Ausstellung erzählt die Geschichte des Liedes, seine Verbreitung und Rezeption. Ergänzt wird sie durch Objekte des niederländischen Museums.
In den Vitrinen liegen alte Schallplatten, Utensilien aus der Zeit wie zum Beispiel Zigarettenschachteln, Notenhefte, Liedkarten. Auch Soldatenbriefe – wie der von Wilhelm Josten an seine Frau, findet der Besucher in der Ausstellung, die unterm Dach untergebracht ist. An jeder Station im Ausstellungsraum erklingt eine Version des bekannten Liedes, das Geschichte machte. Film- und Veranstaltungsplakate sind zu sehen. Und auch die Laterne, die vor der Kaserne stand, fehlt in der Ausstellung nicht.
Ein Lied für zwei Frauen
Den Text hatte Hans Leip im Ersten Weltkrieg geschrieben. Er widmete ihn aber nicht einer, sondern gleich zwei Frauen, die in dem Lied zu einer verschmolzen. Der damals 21 Jahre alte Infanterist sollte am nächsten Tag an die Karpatenfront abrücken. Nach der Wachablösung kritzelte er noch im Stehen die ersten Verse in sein Notizbuch. Die beiden letzten Strophen schrieb er 22 Jahre später. „Ein Jahr vor Beginn des Zweiten Weltkriegs schrieb der Komponist Norbert Schultze, der sich später als Bomben-Schultze im Dienst der NS-Propaganda einen unrühmlichen Namen machte, die Melodie“, erzählt Museumsleiterin Diana Finkele. Lale Andersen nahm das Lied 1939 auf Schallplatte auf und feierte einen großen Erfolg. Zum Mythos entwickelte sich der Song, der vom NS-Regime zeitweise verboten wurde, jedoch, nachdem der Soldatensender Belgrad es 1941 unaufhörlich spielte. „Als das Lied dann abgesetzt wurde, soll es wahre Proteststürme gegeben haben“, hat Diana Finkele in Erfahrung gebracht. Also wurde er wieder ins Programm genommen und jeden Abend kurz vor zehn Uhr gesendet.
Zur morgigen, öffentlichen Ausstellungseröffnung wird Schlosstheater-Schauspielerin Eva Müller zwei verschiedene Varianten von „Lili Marleen“ singen. Christa Wittfeld vom Felke-Verein Repelen serviert Leckereien, die zurzeit des Zweiten Weltkriegs auf den Tisch kamen: Schmalz- und Apfelkraut-Brote sowie Kellerkuchen, am Niederrhein auch bekannt als „Kalte Hundeschnauze“.
Info „Lili Marleen“, Sonntag, 11. März, 11 Uhr, bis 10. Juni, dienstags bis freitags 9 bis 18 Uhr, samstags, sonntags und feiertags, 11 bis 18 Uhr.
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