Moers: Wer seinen eigenen Killer anheuert
VON ANJA KATZKE - zuletzt aktualisiert: 23.11.2006Moers (RPO). Regisseur Kay Voges stand vor einer Herausforderung: Wie bringt man die Poesie eines Kinofilms, der durch eine einfache Erzählweise und vor allem durch seine Bilder besticht, auf die Theaterbühne? Der Krefelder glaubt einen Weg gefunden zu haben, Kino ins Theater zu holen: Ob es gelungen ist, wird die nächste Schlosstheater-Inszenierung zeigen, die am Samstag, 25. November, 19.30 Uhr, in der Kapelle an der Rheinberger Straße Premiere feiert.
Sie basiert auf dem Drehbuch des Finnen Aki Kaurismäki zu dem Kultfilm „I hired a contract killer“: In dem Stück geht es um Liebe, Tod und das, was das Leben lebenswert macht.
Henri Boulanger verbringt sein Leben in einem düsteren und kalten Großraumbüro, sein Zuhause ist eine schäbige Wohnung. „Er ist ein Mann, der nichts mehr zu verlieren hat – außer Job und Leben“, sagt Dramaturg Erpho Bell. „Als er in die Sinnlosigkeit der Arbeitslosigkeit geworfen wird, beschließt er, seinem Leben ein Ende zu setzen, scheitert dabei jedoch kläglich und engagiert schließlich einen Profikiller.“
Die Geschichte werde auf der Ebene eines Märchens, einer Parabel erzählt und stecke voller Symbolik, sagt Kay Voges, der 2003 den Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für Regie erhielt.
Die Herausforderung für Regisseur und Ensemble steckte auch darin, dass die Textfassung zum Film sich auf nur vier Seiten begrenzt. „Das sind zwölf Minuten.“ Voges suchte nach Wegen eine Welt zu erzählen, ohne die Welt illustrieren zu müssen. „Was braucht man mehr als Schauspieler und eine Bühne. Der Rest ist Phantasie“, betont der Krefelder.
Die Bühne in der Kapelle ist ein typischer Guckkasten mit roten wallendem Vorhang. Ein Tisch, ein Stuhl – mehr braucht Voges nicht, um die traurige Welt des Henri Boulanger zu beschreiben. „Wir versuchen, aus der Reduktion der Mittel einen Mehrwert herauszuholen.“ Im Gegensatz zum Film will die Theaterfassung jedoch mehr wagen: „Wir sehen das Geschehen um Boulanger als eine Versuchsanordnung, ein Experiment, das aus den Fugen gerät“, sagt Voges. Es spielen Eva Müller, Ekkehard Freye und Werner Strenger. Die Premiere ist bereits ausverkauft. Weitere Vorstellungen sind am 1., 2., 8. und 22. Dezember.
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