Moers: Wettstreit um die "Dorfschule"
VON DIRK MÖWIUS - zuletzt aktualisiert: 16.02.2009Moers (RPO). Die evangelische Kirchengemeinde Repelen möchte die Arbeiterwohlfahrt als Träger des Repelener Jugendzentrums ablösen. Die Awo möchte ihre Arbeit dort fortsetzen. Beide reichten ihre Konzepte ein.
Eine bewegte Geschichte hat die Repelener Dorfschule hinter sich. In den 30er Jahren erbaut, war sie bis Ende der 80er Jahre eine Grundschule. Dann wurde sie zu einem Asylbewerberheim. Nach drei Jahren Leerstand wurde das Gebäude mit Hilfe einiger Jugendlicher und nach Ideen von Studenten der Fachhochschule Krefeld zum Jugendzentzentrum. Und nun steht die Dorfschule im Mittelpunkt eines ungewöhnlichen Wettstreits. Die evangelische Kirchengemeinde Repelen möchte zum Jahresende den bisherigen langjährigen Träger, die Arbeiterwohlfahrt (Awo), ablösen.
Selten in der Moerser Geschichte hatte bisher ein anderer potenzieller Träger versucht, einen Mitbewerber zu verdrängen. Politisch möglich gemacht hat dieses Unterfangen ein Ratsbeschluss, der nach Kündigung der Verträge neue Vertragsverhandlungen zwischen Stadt und den Trägern aller Jugendheime vorsieht. Neue inhaltliche Anforderungen sollen dabei berücksichtigt werden. Besonders auf Drängen der FDP, die im Jugendhilfeausschuss durch Paul Süßer Vertreter ist, wurde neben den beschlossenen Verhandlungen mit den bisherigen Trägern auch die Tür für neue Interessenten geöffnet. Schon damals stand im Hintergrund, dass die Awo – durchaus inhaltlich begründet – aus der Dorfschule gedrängt werden soll. Tatsächlich ist Repelen auch der einzige Ortsteil, in dem es neue Bewerber für das Jugendzentrum gibt.
Der Ratsbeschluss
Der Rat hatte im Dezember beschlossen, dass die Verwaltung nach der Kündigung der Verträge mit den bisherigen Trägern über eine neue Vereinbarung verhandeln soll. Andere Träger, etwa der Sci oder die evangelische Kirchengemeinde Repelen, könnten sich aus eigener Initiative bewerben – aber nur für die Jugendheime in Repelen und Kapellen, die bisher von der Awo betreut werden. Ähnlich sollen 2010 auch die Verträge für Kindergärten neu verhandelt werden.
Neue Öffnungszeiten geplant
Bei den Bewerbungsunterlagen wird schon beim Blick auf die Öffnungszeiten ein großer Unterschied zwischen den Konzepten deutlich. Nach viel Kritik an der Schließung übers Wochenende hat die Awo nachgebessert und will jetzt samstags von 14 bis 19 Uhr einen offenen Treff anbieten. Ansonsten bleibt es bei den Angeboten: wochentags ab 15 bis 21 Uhr, mittwochs nur bis 19 Uhr. Die evangelische Kirchengemeinde Repelen sieht den Bedarf nach längeren Öffnungen am Abend. Sie will montags bis donnerstags von 16 bis 21 Uhr öffnen, freitags und samstags bis 22 Uhr. Und wenn es um Konzerte, Discos und ähnliches geht auch bis Mitternacht.
Angebote aus dem Konzept der evangelische Kirchengemeinde sind neben den klassischen Freizeitangeboten gemeinsam gekochte Abendessen, Medienarbeit und Bildungsangebote wie Schulaufgabenhilfe, Sprachkurse für Deutsch und Fremdsprachen, Rhetorikkurse und Anti-Gewalt-Trainings. Ähnliches findet man auch bei der Awo, etwa Hausaufgabenbetreuung, eine Jungenkochgruppe, Seminare für Ausbildungsbewerber und Beratungen zu Themen wie Ausbildung, Schule, Sexualität, Schulden oder Drogenmissbrauch. Beide Bewerber wollen neben der offenen Jugendarbeit auch auf "aufsuchende Arbeit" setzen. Ebenso sehen beide Konzepte die Kooperation mit weiteren Partnern vor, bei der Kirchengemeinde zum Beispiel der Sci, bei der Awo unter anderem die Anne-Frank-Gesamtschule oder das Schlosstheater.
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