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Neukirchen-Vluyn: Zusammenprall zweier Welten

VON SABINE HANNEMANN - zuletzt aktualisiert: 16.02.2007

Neukirchen-Vluyn (RPO). In der Kulturhalle schlugen die Wellen hoch, als bei der kurzfristig angesetzten Informationsversammlung Fachleute der MGG und Vertreter der Stadt zum Umlagerungsbauwerk Niederberg Stellung nahmen.

Aufgebracht waren die Bürger am Mittwoch in der Kulturhalle, als ihnen die Pläne detailliert vorgestellt wurden.   Foto: RPO
Aufgebracht waren die Bürger am Mittwoch in der Kulturhalle, als ihnen die Pläne detailliert vorgestellt wurden. Foto: RPO

Rote Karten und Trillerpfeifen – die Zeichen standen bereits vor der Kulturhalle auf Sturm. Eingeladen hatte die Stadt Neukirchen-Vluyn und die Montan-Grundstücksgesellschaft (MGG) die Anwohner der Grabenstraße zu einer Informationsveranstaltung. Den betroffenen Bürgern war am Montag im Bau-, Grünflächen- und Umweltausschuss kurzfristig dieser Termin zugesagt worden, da viele sich von den aktuellen Arbeiten auf Niederberg überrumpelt fühlten (die RP berichtete).

220 Meter langer Wall

Hinter ihren Grundstücken wächst derzeit ein 220 langer gestalteter Wall, dessen höchste Erhebung elf Meter betragen soll. Ein so genanntes Umlagerungsbauwerk, in das Niederberg-Altlasten wie kontaminierten Boden, Geröll und Schwermetalle, Öl und andere Stoffe geschichtet werden. Kunststoffdichtungsplanen sollen den Hügel oben abdecken, bevor er dann begrünt wird. Das dazugehörige Schadstoffgutachten (die RP berichtete) konstatiert dazu, dass durch die gesicherte Einbringung des Materials von „keiner Gefährdung des Menschen auszugehen ist“. Dr. Wolfgang Tillmanns, Bodengutachter und mit Niederberg betraut, bestätigte nach Maßgabe des Bodenschutzgesetzes, dass „derzeit und auch in der Vergangenheit kein Austritt von Schadstoffen stattgefunden hat.“

Info

Widerspruch

„Die Stadt Neukirchen-Vluyn kann nichts mehr erreichen“, konstatierte Bürgermeister Böing. Es handelt sich um ein abgeschlossenes genehmigtes Verfahren. Für den einzelnen jedoch besteht die Möglichkeit des Widerspruchs, wie auch Michael Thiemann von der Bezirksregierung Arnsberg bestätigte. Wer nachweisen kann, erst jetzt von dem Bau des Umlagerungsbauwerkes erfahren zu haben, kann innerhalb eines Jahres Widerspruch beim zuständigen Regierungsbezirk Arnsberg einreichen.

Gefahr für Kinder?

Die Bemerkung, dass auf dem Wall Kinder spielen können, ohne einer Gefahr ausgesetzt zu sein, wurde in der vollen Kulturhalle mit lauten Protestrufen quittiert. Knapp drei Stunden lieferten sich die Beteiligten eine scharfe, teilweise emotionale Diskussion, bei der zwei Welten aufeinander prallen. Von Gefälligkeitsgutachten und einem Tschernobyl in Neukirchen-Vluyn war die Rede. „Warum haben Sie als Bürgermeister nicht die Interessen Ihrer Bürger vertreten? Sie hätten diese Gefahr abwenden müssen. Wir wollen weder diesen hohen Monsterwall noch die Giftstoffe vor unserer Haustür!“ Den Vorwurf, nicht frühzeitig über den Bau des Umlagerungsbauwerkes informiert zu haben, wies Bürgermeister Böing energisch zurück. Weit vor der Umsetzung des Abschlussbetriebsplanes habe die Stadt auf Bürgerversammlungen die Planungen vorgestellt.

Die Stadt und die Politik seien lediglich am Verfahren beteiligt gewesen, bevor die Bezirksregierung Arnsberg nach Bergrecht genehmigt habe. 3,75 Mio. Euro hätte die Verbringung der kontaminierten Stoffe auf eine Deponie gekostet, 1,5 Mio. Euro kostet nun die Anlage zur vorsorglichen Sicherung. Für die Bürger fiel die Informationsveranstaltung enttäuschend aus. Chancen, dass eine einstweilige Verfügung den Bau des Walles stoppt oder verzögert, gibt es kaum, ebenso wie die Möglichkeit, die geplante Höhe zu reduzieren.

Quelle: RP

 
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