Das Trauma hat einen Namen
VON DETLEF KANTHAK - zuletzt aktualisiert: 14.05.2007Wie war das nur möglich? Trotz einer 4:2-Führung nach den Einzeln gaben die Bundesliga-Spielerinnen des TC ZWS Moers 08 das Heft noch aus der Hand und unterlagen einmal mehr gegen den TC Zamek Benrath. Jetzt ist der nationale Meistertitel wohl in weite Ferne gerückt.
Das Trauma des Tennisclubs ZWS Moers 08 hat einen Namen. Benrath heißt es, und es hat dem Damen-Bundesligisten aus der Grafenstadt auch in diesem Sommer (vermutlich) den Spaß an den den Spielen um die Deutsche Meisterschaft verdorben.
Vor Jahresfrist gab es, damals im Düsseldorfer Norden, eine 1:8-Klatsche für die Moerser Mädels. Da war die Mannschaft schlecht; die Punkte gingen zu Recht, wenn auch mit Pauken und Trompeten, verloren. Am gestrigen Tag kam der Schmerz dazu: Da lagen die Moerserinnen nach den sechs Einzeln schon mit 4:2 vorn und hatten den Fuß somit schon ganz weit in der Tür, die dann aber mit lautem Knall doch noch zufiel. Benrath entschied drei Doppel für sich, rettete sich mit 5:4 über die Ziellinie und sorgte für kollektives 08-Entsetzen.
Nicht gut drauf
Hana Sromova gilt als exquisite Doppelspielerin. Warum also tauchte sie nicht in der Aufstellung der Moerser Doppel auf? „Sie war im Einzel nicht gut drauf“, erklärt 08-Manager Hofmann. „Und sie hat, als wir die Aufstellung besprachen, selbst gesagt, dass sie bereit sei, auf einen weiteren Einsatz zu verzichten!“
Da war das Strahlen vergangen
„Das ist ganz, ganz bitter“, suchte Stefan Hofmann nach den passenden Worten. Noch zwei Stunden zuvor, als die Einzelpartien beendet waren, hatte der 08-Manager mit der durch die Wolken hindurch brechenden Sonne geradezu um die Wette gestrahlt. Da war eigentlich alles richtig gemacht worden, war jeder Fallstrick in der Aufstellung umgangen worden. Angelika Bachmann, wegen der im Vergleich zum Berlin-Spiel am Freitag ins Team gekommenen Angelique Kerber und Ani Maret an die sechste Position gerutscht, hatte in ihrem 22. Bundesliga-Spiel erstmals eine Benratherin geschlagen. Eine Spanierin noch dazu, das will schon was heißen, denn die wühlen doch ansonsten eigentlich immer die Asche auf dem Platz um, ehe sie aufgeben. Und Ani Maret hatte Greta Arn auflaufen lassen, die kurz zuvor noch bei einem 175 000-Dollar-Turnier so gewaltig abgesahnt hatte! Eva Birnerova aus Benrath – die verliert sonst ein Bundesliga-Spiel in sechs Jahren. Diesmal, gegen die Moerser Nummer Eins, Tsvetana Pironkova, war es soweit. Was sollte da noch schief laufen?
Alle drei Doppel zu gewinnen, das muss Benrath wie ein Sechser im Lotto vorgekommen sein. 08 hatte alle Hoffnung ins dritte Doppel gelegt, das den Sieg bringen sollte. Doch der Ball traf Agnes Szavay im dritten Satz am Auge, das Spiel war verloren. Und es weinte nicht nur die Ungarin.
Die Ergebnisse: Tsvetana Pironkova - Eva Birnerova 7:6, 6:2; Angelique Kerber - Julia Schruff 4:6, 2:6; Hana Sromova - Barbora Zahlavova 5:7, 2:6; Agnes Szavay - Andrea Petkovic 6:4, 6:4; Maret Ani - Greta Arn 7:5, 6:4; Angelika Bachmann - Concita Martinez-Granados 6:2, 6:2. Angelique Kerber/Angelika Bachmann - Julia Schruff/Barbora Zahlavova 3:6, 4:6; Tsvetana Pironkova/Michelle Gerards - Eva Birnerova/Vanessa Henke 6:0, 4:6, 4:6; Agnes Szavay/Maret Ani - Andrea Petkovic/Greta Arn 5:7, 6:1, 1:4 Aufgabe.
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