Die Adler rupfen Rottenburg im Eilverfahren
VON NILS JANSEN - zuletzt aktualisiert: 06.02.2012Das Selbstbewusstsein der Spieler des Moerser SC passt derzeit durch keine Tür. Gleich fünf Stammspieler ließ der Coach des Tabellenvierten, Chang Cheng Liu, auf der Bank. Dennoch kann man nicht von einer B-Sechs des Volleyball-Bundesligisten aus der Grafenstadt sprechen, die da gestern den namhaft besetzten TV EnBW Rottenburg mit einer 3:0 (25:19, 25:23, 25:21)-Packung zurück an den Neckar schickte. Das Ganze zudem recht flott, denn nach 78 Spielminuten war die Messe bereits gelesen.
Das Leistungsgefälle ist gering
Ob Tobias Neumann statt Kapitän Dirk-Jan van Gendt, ob Renzo Verschuren statt Tim Broshog, ob Marvin Prolingheuer statt Michael Olieman, ob Tom Weber statt Óscar Rodriguez – das Leistungsgefälle auf den Positionen im Team ist gering. Das macht den MSC weiterhin in der Liga unberechenbar, und die Konkurrenz staunt über die Siegesserie der Moerser. "Was soll ich dazu sagen? Der MSC gewinnt seine Spiele, wir stecken in einer Niederlagenserie. Die Moerser sind so selbstbewusst, dass sie den knappen zweiten Satz noch drehen, obwohl wir sie schon im Sack hatten. Die sind im Moment einfach schwer zu greifen", sagte Hans-Peter Müller-Angstenberger, der Coach der Gäste aus Württemberg.
Mit 23:21 führte Rottenburg im zweiten Durchgang. Dann aber sorgten Prolingheuer (2), Ewoud Gommans und Janis Smedins mit vier Punkten in Serie für die 2:0-Satzführung der Gastgeber. Smedins und Gommans spielten auf den Außenpositionen durch und machten ihre Sache gut. Der Lette wurde erneut zum wertvollsten MSC-Spieler gewählt, während Gommans unter besonderer Beobachtung stand: Sein Onkel und Nationaltrainer in Holland, Edwin Benne, war zu Gast in der RWE-Sporthalle und beobachtete den 21-jährigen Auswahlspieler. Nebenbei hatte er Gelegenheit, sich von nur einem weiteren Niederländern zu überzeugen, nämlich Mittelblocker Verschuren. Olieman und van Gendt kamen wie erwähnt nicht zum Einsatz.
MSC-Trainer Liu nahm keinen einzigen Wechsel vor. Die Startsechs spielte durch und hinterließ einen bravourösen Eindruck. Das Publikum ging begeistert mit und konnte sich allenfalls darüber beklagen, dass es wenig spannende Momente an diesem Sonntag-Nachmittag gab. Und so wurden beim 4:4 im Mittelabschnitt auch mal Szenen bejubelt, die fürs Endresultat zwar unwichtig, für die Moral der Mannschaft aber bedeutsam waren. Zwei Rettungsaktionen von Prolingheuer und Gommans, die dafür fast auf die Tribünen liefen, wurden durch einen Punkt belohnt, aber die Zuschauer johlten vor Freude. Auch Trainer Liu war restlos entspannt nach der Partie: Er sagte: "Meine Mannschaft hat sich gut weiter entwickelt. Wir können aber immer noch einiges verbessern, und daran arbeiten wir auch."
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