Tennis: Die Krux mit den Doppeln
VON DETLEF KANTHAK - zuletzt aktualisiert: 31.05.2007Würden in der Tennis-Bundesliga der Damen nur Einzel gespielt, dann wäre der TC ZWS Moers 08 schon fast Deutscher Meister. Im Rückblick war die Atmosphäre in Karlsruhe wohl „grenzwertig“.
Noch zwei Durchgänge
Zwei Spieltage stehen in der Tennis-Bundesliga der Damen noch aus, doch die erste Entscheidung ist bereits gefallen. Der LTTC Rot-Weiß Berlin steht nach fünf Niederlagen als Absteiger fest. An der Spitze rangiert der TC Rüppurr Karlsruhe, der sich in seinem letzten Saisonspiel beim TC Zamek Benrath sogar eine knappe Niederlage leisten kann, um seinen Meistertitel erfolgreich zu verteidigen. Gewinnt Karlsruhe aber sein Duell beim ärgsten Verfolger, dann hätte der TC ZWS Moers 08 noch eine gute Chance auf den zweiten Tabellenplatz.
Gäbe es Einzel-Titelkämpfe in der Bundesliga, der TC ZWS Moers 08 dürfte sich schon als Deutscher Meister fühlen. Freilich: In der Tennis-Bundesliga der Damen werden auch Doppel gespielt. Und das ist nun überhaupt nicht das Ding der Moerserinnen, die sowohl gegen Benrath als auch in Karlsruhe sämtliche Doppelspiele verloren, schon sicher geglaubte Siege verschenkten und nun mit leeren Händen da stehen.
„Karlsruhe wird Meister“, ist sich auch Stefan Hofmann nach den letzten Ergebnissen sicher. Ginge der Satz des Managers von 08 noch weiter, so würde wohl folgen: „Und wir sind die Deppen der Nation!“ Ein ausgelassener Matchball, den 08 beim TC Rüppurr auf dem Schläger hatte, dürfte die Sommersaison entschieden haben. Nach dem Spiel war der Manager am Telefon gefragt. „Es hat viele lieb gemeinte Anrufe gegeben von Leuten, die uns wieder aufbauen sollten“, sagt Hofmann, der in seiner sportlich schwersten Stunde („So etwas Heftiges wie in Karlsruhe habe ich noch nie erlebt!“) viele aufmunternde Worte hörte.
Das Problem war die Atmosphäre
Nicht verwunderlich: Kritik wird bekannterweise hinter vorgehaltener Hand laut. Oder von der Spielerin geäußert, die das Spiel hätte entscheiden müssen und sich danach an die eigene Nase fasste. Angelika Bachmann war noch Tage nach ihrem leichtfertig vergebenen Matchball im zweiten Satz mit der Aufarbeitung der Szene beschäftigt. „Das Problem war die Atmosphäre auf der Anlage“, betont Hofmann, seine Spielerin in Schutz nehmend. Fast schon wie auf einem Fußballplatz sei es da zugegangen, als sich die rund 800 Zuschauer zum dritten Doppel gesellten, das die Entscheidung in diesem Spiel bringen musste. „Bei uns ist es üblich, dass die Besucher auch gute Aktionen der Gegnerinnen beklatschen. In Karlsruhe war das deutlich einseitiger“, drückt es der Moerser Verantwortliche noch höflich aus. „Grenzwertig“, so nennt es Hofmann. Auch die Beteiligten auf Seiten des alten und vermutlich neuen Deutschen Meisters fühlten sich dabei offensichtlich nicht so recht wohl in ihrer Haut. „In Moers hättet ihr das Spiel gewonnen“, durfte sich Hofmann anschließend anhören. Ein rechter Trost war das freilich wohl kaum!
Ehrenvoller Abgang erwünscht
Was bleibt den Moerserinnen nun? Meister können sie nicht mehr werden, doch einen ehrenvollen Abgang wollen sie sich noch verschaffen. Der zweite Platz in der Endabrechnung kann erreicht werden, und den will das Team auch holen. „Das sind wir allein schon unseren Zuschauern schuldig“, sagt Hofmann, der nichts davon hält, den Sommer 2007 schon abzuhaken. In Bochum und zum Abschluss gegen Waldau soll die Mannschaft noch zwei Mal auftrumpfen – und dabei auch endlich wieder Doppel gewinnen.
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