Die mentale Einstellung
VON NILS JANSEN - zuletzt aktualisiert: 06.10.2006Der Moerser SC ist beim 0:3 gegen Wuppertal auch an seiner eigenen Überheblichkeit gescheitert.
Kritik kam auch vom Vereinspräsidenten Günter Krivec.Ins Gewissen reden
Zwei zusätzliche Trainingseinheiten kündigte Georg Grozer senior nach der 0:3-Niederlage seiner Mannschaft gegen Wuppertal an. „Straftraining“ nennt man so etwas wohl. In erster Linie dürfte es dem Coach des Moerser SC darum gehen, seinen Spielern ins Gewissen zu reden. Am Samstag Abend beim VC Leipzig haben sie dann die Chance, sich zu rehabilitieren.
Hätte man den Verantwortlichen des Moerser SC vor der Saison gesagt, dass sie nach vier Spielen in der Volleyball-Bundesliga 6:2 Punkte auf dem Konto haben würden, so wäre man angesichts der Gegnerschaft aus Berlin, Eltmann, Unterhaching und Wuppertal sicher hoch zufrieden gewesen.
Nach der 0:3-Niederlage am Mittwoch gegen die West-Rivalen aus dem Bergischen Land aber machte sich zunächst Enttäuschung breit rund um das Sportzentrum Rheinkamp.
„Wissen was los ist“
Nur Einer hakte das Geschehene erstaunlich schnell ab: MSC-Präsident Günter Krivec. „Ich hoffe, das war eine Niederlage zur rechten Zeit. Jetzt wissen die Spieler, was los ist, wenn sie am Samstag in Leipzig antreten müssen.“Damit deutete er an, was auch viele andere Beobachter später aussprachen. Das Team war nach dem tollen Start in die Liga mit drei Siegen gegen gewiss nicht schwache Kontrahenten an seiner eigenen Überheblichkeit gescheitert. Der Wuppertaler Dirk Grübler erklärte nach dem Spiel, dass seitens der MSC-Akteure vor dem Anpfiff Äußerungen gefallen sein sollen wie diese: „Das wird ein leichter 3:0-Erfolg für uns.“ Ein durchaus legitimer Einschüchterungsversuch der Moerser, sollte dieser Satz tatsächlich ausgesprochen worden sein. Mit Sicherheit aber hat er für eine extra Portion Motivation beim Bayer-Team gesorgt und wäre somit im Nachhinein als kontraproduktiv zu werten.
Den Unterschied machte die mentale Einstellung aus. Wuppertals Trainer Jens Larsen lobte seine Schützlinge: „Das war das Beste was ich von dieser Mannschaft bislang gesehen habe.“ Der frühere MSC-Meistertrainer Jürgen Wagner befand nach der Partie: „Wuppertal hat drei Sätze lang eine unglaubliche Aggressivität gezeigt. Und das ist eine reine Kopfsache. Der MSC fand dagegen dieses Mal kein wirksames Mittel.“
„Bayer hat sagenhaft stark aufgeschlagen und war auf der Zuspielerposition besser besetzt. Weder Torben noch Lukas kamen an das Niveau von Gergely Chowansky heran. Das Zuspiel war die Achillesferse unseres Auftritts. Vor allem aber Disziplin und Einstellung aller Spieler stimmten bei uns nicht.“
Von Moers nach Berlin per Rad
Auch Krivec kritisierte also die mentale Haltung der Akteure. Weder er, noch Trainer Georg Grozer senior, noch Manager Wim Braun ließen im Übrigen die kurze Regenerationszeit nach der Rückkehr aus Unterhaching gelten. „Ach was. Ich bin als 19-jähriger mit dem Motorrad 13 Stunden lang von Moers nach Berlin gefahren und wurde dann Deutscher Juniorenmeister im Dreisprung. Wer gewinnen will, muss schließlich auch bereit sein, sich dafür zu quälen“, erklärte Krivec.
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