Die "Netzinos" sind eine (lärmende) Klasse für sich Was ist denn hier los?
zuletzt aktualisiert: 06.04.2009Genau 16 Fans aus Königs Wusterhausen hatten mit zwei Kleinbussen die 560 Kilometer lange Fahrt nach Moers auf sich genommen. Sie hatten keinen Grund, ihr Kommen zu bereuen. Im Gepäck hatten sie acht Trommeln, mit denen sie im Adolfinum einen Höllenlärm produzierten. Mit Fug' und Recht dürfen sie sich den Titel "lauteste Auswärts-Fan-Gemeinschaft" auf die Fahne schreiben. Fröhlich feuerten sie ihre Truppe an und herzten die Spieler nach dem überraschend klaren 3:0-Erfolg jeweils einzeln durch.
Mario Wersinger, "Chef" des Fanclubs "VFC Netzinos", betonte: "Wir haben noch mehr Trommeln. Die mussten wir aber zu Hause lassen. Es waren nicht genug Trommler dabei." Immerhin haben ja auch die acht übrigen KW-Fans ihre Aufgaben. "Das sind unsere Fotografen, Schreiber und Telefonierer", erklärte Wersinger. Thomas und Thomas, die zwei Männer mit den größten Pauken, hatten mindestens ebenso viel geackert wie die Spieler auf dem Parkett, genossen hinterher im Foyer des Adolfinums ein Bier. Kleine Gläser habt ihr hier", frotzelten sie. Gewohnt sei man daheim mindestens ein "Null-vier"-Maß.
Und dann hatten sie auch noch ein Einsehen mit dem unmittelbar vor ihren Plätzen postierten Linienrichter der Partie: Wersinger zog ein Paar grüne Ohrstöpsel aus der Tasche und bot sie ihm an. Der Unparteiische nahm dankend an und "schiedste" vielleicht auch wegen dieses Gehörschutzes fehlerfrei.
Für die "Netzinos", die noch am Abend gemeinsam mit Dr. Hans-Jochen Rodner, dem Präsidenten der Netzhoppers, die Rückreise antraten, dürfte es eine feucht-fröhliche Heimreise nach Brandenburg geworden sein.
MOERS (NJ) Torsten Stückert war sauer: "Dürfen wir heute nicht weiter kommen, oder was ist hier los?" Der Fan des Moerser SC, der selbst als Hobby-Volleyballspieler aktiv ist, hatte während des ersten Satzes erkannt: "Die Pässe von Tobias Neumann kommen nicht präzise genug. Der Trainer darf doch auswechseln. Warum macht er das denn nicht?", fragte er sich und seine Nebenleute auf der Tribüne im Fanblock des MSC.
Noch mehr ärgerte er sich aber über die Meldung, die er in der RP gelesen hatte, mit dem Inhalt, dass MSC-Präsident Günter Krivec erhebliche personelle Veränderungen plant. "Mein Eindruck ist inzwischen, dass es schon Methode hat, dass er immer kurz vor den Play-Offs solche Informationen öffentlich macht. Als Spieler wäre ich dann auch verunsichert. Wenn ich wüsste, dass ich in der nächsten Saison keinen Platz mehr im Team habe, dann würde ich sogar keinen Bock mehr haben."
Auch Martin Gellert hat Sympathien für die "Adler". Er meinte gegenüber der RP: "Wenn es so ist, wie die Spieler sagen, nämlich dass sie selbst erst aus der Zeitung erfahren haben, was Herr Krivec plant – dann ist das ein ganz schlechter Stil. Dann wundere ich mich über die heutige Leistung nicht mehr."
Sie alle ließen es sich nicht nehmen, den Moerser Spielern nach der 0:3-Niederlage gegen die Netzhoppers zu gratulieren. Es wirkte ein wenig so, als ob sie sich mit ihnen solidarisch erklären wollten. Und Stückert fügte hinzu: "Die geplante neue Ausländerregelung des Weltverbandes ist kürzlich rückgängig gemacht worden. Das müsste die Vereine mit vielen ausländischen Spielern, wie eben auch den MSC, eigentlich in eine bessere Situation bringen. Und doch soll nun wieder der Großteil des Teams in die Wüste geschickt werden."
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