Volleyball: Gelassenheit macht sich breit
VON NILS JANSEN - zuletzt aktualisiert: 22.01.2009Zwar späht der Moerser SC nach jungen Talenten für die Zukunft, aber die größten Sorgen zum Thema Ausländerbeschränkung sind derzeit verflogen. In einem Testspiel besiegt der MSC den VV Humann Essen.
Es war doch mehr als nur ein reines Trainingsspiel. Der Volleyball-Bundesligist Moerser SC besiegte gestern Abend vor rund 50 Zuschauern im Adolfinum den Zweitliga-Tabellenfünften VV Humann Essen mit 4:0 (25:14, 25:14, 27:25, 25:20). Dabei traten die "Adler" mit nur neun Akteuren an, denn Dominik Sikorski und Tim Broshog fehlten wegen anderer Verpflichtungen.
Quecke und Jentsch haben Talent
Die Essener Talentschmiede mühte sich wacker, den Profis aus der Grafenstadt das Wasser zu reichen. Im dritten und vierten Satz gelang ihnen das phasenweise auch ganz gut. Aber der MSC – Trainer Georg Grozer setzte alle neun Akteure ein – hatte keine allzu große Mühe, sich durchzusetzen. Zwei Spieler aus dem Team der Ruhrstädter fielen dem MSC-Coach auf: "Der lange Mittelblocker mit der Nummer neun und der Diagonalangreifer haben gut gespielt. Die beiden Jungs haben Talent." Grozers Wunsch für die nächste Saison ist es, einen 14er Kader für's Training zu bekommen. Die beiden Essener Felix Quecke und Martin Jentsch – um dieses Duo handelte es sich nämlich – könnten Kandidaten für eine Kadervergrößerung in der nächsten Saison sein.
Beschluss weicht auf
Der ehemalige Präsident des Volleyball-Weltverbands (FIVB) Dr. Ruben Acosta hatte noch vor seinem Rücktritt im vergangenen Jahr durchgesetzt, dass die Vereine ab der Saison 2010/11 nur noch maximal drei Ausländer verpflichten und höchstens zwei auf dem Spielfeld haben dürfen. Dieser Beschluss scheint inzwischen kräftig aufzuweichen, den vor allem die europäischen Verbände distanzieren sich mehr und mehr davon.
MSC-Präsident Günter Krivec beobachtete die Partie ebenfalls. Auch er macht sich Gedanken über die personelle Besetzung der "Adler" in der Zukunft. "Die beiden Essener sind sicher nicht schlecht, aber sie brauchen noch eine ganze Weile, ehe sie für die Bundesliga gut genug sind." Mittlerweile sieht Krivec der vor der Saison geplanten Ausländerreduzierung sehr gelassen entgegen. "Was der Weltverband unter seinem ehemaligen Präsidenten beschlossen hat, halte ich für nicht durchsetzbar. Inzwischen hat der Nachfolger von Ruben Acosta schon erklärt, dass er die komplizierten juristischen Zusammenhänge im sportlichen und arbeitsrechtlichen Bereich in der EU nicht antasten werde."
Auch Abteilungsleiter Heinz Reintges wirkt zu diesem Thema mittlerweile recht entspannt: "Es laufen einige Klagen von Spielern, die ihr Recht auf eine freie Arbeitsplatzwahl durchsetzen wollen – analog zum früheren Fußballer Bosman. Ich gehe inzwischen davon aus, dass die Suppe längst nicht mehr so heiß gegessen wird, wie sie einmal gekocht wurde." Hieße also, dass sich die deutschen Clubs, die wie der MSC etliche ausländische Akteure in ihren Reihen haben, ein wenig gelassener umschauen könnten . . .
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