Man sieht, was man geschafft hat Im Märchen gehen viele auf Wanderschaft
VON ACHIM BERTENBURG - zuletzt aktualisiert: 02.10.2008Für die heimischen Laufsportler, die sich jedes Jahr auf den Utforter Berglauf freuen, ist dies natürlich keine Neuheit, aber für alle, die es noch nicht wissen: 70 Meter hoch erhebt sich die Halde Rheinpreussen in Moers. Die Zeche Rheinpreussen war vor etwa 150 Jahren das erste linksrheinische Bergwerk. Die Römerstraße, einst historischer Römerweg, führt am Fuß der Halde entlang. Vom Haldenplateau aus hat man einen wunderschönen Ausblick auf den Orsoyer Rheinbogen und die Uferlandschaft des Niederrheins.
Grubenlampe aus Betonstahl
Und dann steht da oben noch das „Geleucht“ des Künstlers Otto Piene, eine 32 Meter hohe Grubenlampe aus Betonstahl. Diese ist an die Davy-Lampe angelehnt, die sicherste Grubenlampe des Bergmanns. 61 verschiedene Beleuchtungskörper tauchen das Kunstwerk bei Dunkelheit in stimmungsvolles Licht, so dass es von weitem zu sehen ist. Als Ergänzung zur Lampe erststreckt sich eine 8000 Quadratmeter große, rote Illuminationsfläche mit 35 Leuchten (mit je 400 Watt) am Haldenhang. Beim Berglauf ist das „Geleucht“ gleichsam die Wendemarke.
Fragt sich nur, warum es noch nicht für den Treppenlauf entdeckt worden ist. Befindet sich doch in einer Höhe von neun Metern eine Aussichtsplattform, die über eine Innentreppe zu erreichen ist. Effektiv ist sportliches Treppenlaufen schließlich immer: Kraft, Kondition und Koordination werden in kürzester Zeit geschult. Wettkämpfe im Treppenlaufen, so genannte „run ups“, gibt’s inzwischen weltweit. Je höher die Stufen, desto schwerer der Lauf. Wer zum Beispiel bei den 86 Stockwerken des Empire State Buildings punkten will, muss eine gewisse Grundgeschwindigkeit finden, um die Treppe „herauf getragen“ zu werden. Wer zu schnell anfängt, bekommt die schweren Beine bereits im 20. Stock.
Es gibt zwei Techniken: Bei Wettkämpfen zieht man sich meist am Geländer mit hoch, im Training gehen die Arme gegengleich zum Beineinsatz mit. Der Lauf selbst ist ein Vorfußlauf: Man setzt etwa drei Viertel von dem Fuß auf die Treppe auf, die Verse bleibt meist in der Luft. Vermutlich hätte ein „Geleucht-Treppenlauf“ beste Chancen, als kürzester und leichtester Treppenlauf der Welt ins Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen zu werden.
Für die am Weltkindertag teilnehmenden Kinder war es ein ganz gemütliches Treppengehen. Und es hat allen sichtlich Spaß gemacht: „Weil man sieht, was man geschafft hat.“ Klar, das sah dann aus der Vogelperspektive auch wirklich richtig gut aus.
kreis Elisabeth Nieskens, Jahrgang 1952, hat Pädagogik und Musikalische Früherziehung studiert. Sportlich war sie von Kindesbeinen an, arbeitete als Tanzleiterin, wurde Österreichische Staatsmeisterin mit Schlittenhunden und wollte sogar Weltmeisterin werden. Dann, im Jahr 2000, der Schock: Bei ihr wird Krebs diagnostiziert. In ihrem 2007 vorgelegten Buch schildert sie spannend und eindrucksvoll, warum sie trotz ihrer schweren Erkrankung nach Absprache mit den Ärzten bei der WM gestartet ist und wie sie – so der Buchtitel – „Das Rennen ins Leben“ bewältigt hat. Elisabeth Nieskens machte ihren Erzählabschluss in der Europäischen Märchengesellschaft und gründete im Duisburger Süden einen Lama- und Alpaka-Stützpunkt. Achim Bertenburg hat sie befragt:
Frau Nieskens, wie heißen Ihre beiden vierbeinigen Begleiter?
Elisabeth Nieskens Der Braune, das ist Nobby, ein Alpaka, und das Lama heißt Geronimo.
Und die Tiere wandern gern?
Elisabeth Nieskens Ja, man könnte es auch flanieren nennen. Das ist unser erster Spaziergang auf der Rheinpreussenhalde.
Die Kinder sind ganz beeindruckt von der Kombination „Märchen und Lamas“. Was ist Ihre Absicht?
Elisabeth Nieskens Nicht selten geht im Märchen jemand auf Wanderschaft oder einer zieht aus, um das Fürchten zu lernen. Es gibt lange gemeinsame Wanderungen durch dunkle Täler und über steinige Pfade. Märchen wollen keine allgemeingültigen Regeln vermitteln. Und auch bei mir steht, wenn ich erzähle, keine persönliche Absicht dahinter. Märchen können aber schon Lust und Mut machen, los zu gehen und gestärkt zurück zu kommen. Ich finde es wichtig, dass die Kinder Zeit haben, ein Märchen in Ruhe auf sich wirken lassen zu können. Nicht selten bin ich dann von den Reaktionen der Kinder überrascht.
Geromino und Nobby ziehen natürlich die Kinder in ihren Bann.
Elisabeth Nieskens Genau so ist es. Ich denke, die Beiden vermitteln in ihrer Langsamkeit auch ein bisschen das Im-Einklang-mit-sich-selber-sein. Hier oben auf der Halde ist ja auch ein wunderbarer Platz, ein Ort der Weite. Obwohl die Kinder bereits einen guten Fußmarsch hinter sich haben, sind alle so diszipliniert. Besonders lobenswert finde ich den großen Einsatz der jungen, ehrenamtlichen Helfer.
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