Wushu: Peking – eine Enttäuschung
VON NILS JANSEN - zuletzt aktualisiert: 21.11.2007Das bezieht Lydia Götz vom 1. Shaolin Kempo Verein Moers nicht nur auf ihr sportliches Abschneiden bei den Wushu-Weltmeisterschaften, sondern vor allem auch auf Land, Leute sowie Rahmenbedingungen.
Olympia ist noch fern
Die direkte Qualifikation für die Olympischen Spiele des nächsten Jahres in Peking hat Lydia Götz bei den Weltmeisterschaften an gleicher Stelle verpasst. Allerdings bieten sich den Aktiven von allen Koninenten (außer Asien) im Vorfeld der Spiele noch einige Möglichkeiten, das Olympia-Ticket zu lösen.
„Ich habe an keinem Tag den Himmel gesehen.“ Diese Aussage von Lydia Götz stimmt nachdenklich. Ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Peking war dort die Luftbelastung derart grenzwertig, „dass der Smog sogar bis in den Sporthallen vorgedrungen ist“. Die 20-jährige Wushu-Athletin vom 1. Shaolin Kempo Verein Moers erlebte die Tage in Chinas Hauptstadt während der Weltmeisterschaften mit gemischten Gefühlen: Sportlich hatte sie keinerlei Chance, in die Weltspitze vorzudringen, denn sie litt an einer Mandelentzündung, die bereits vor ihrer Abreise ins Reich der Mitte ausgebrochen war. Als sie jetzt an den Niederrhein zurück kehrte, fühlte sie sich restlos ausgepowert. „Ich leide noch unter dem Jetlag und muss mich erst mal ausruhen“, sagte sie gestern.
„Unfreundlich und überheblich“
Wenn nicht im nächsten Jahr die Olympischen Spiele in Peking stattfinden würden, hätte die Moerserin absolut keine Lust, noch mal dorthin zurück zu kehren. „Ich habe in China einige Enttäuschungen erlebt. Die Menschen dort sind teilweise sehr unfreundlich, das sogar gegenüber unserem chinesischen Coach“, berichtet Lydia Götz. Sportlich räumten die Gastgeber bei der WM quasi alles ab, was es zu gewinnen gab. Den europäischen Gästen erschienen die Aktiven aus Fernost nicht nur sportlich überlegen, sondern auch überheblich im Verhalten gegenüber den Sportlern aus westlichen Ländern. „Umso schöner war es mitzuerleben, dass die Teilnehmer aus Ländern wie Frankreich oder Kanada mit uns eine große Wushu-Familie bilden. Das hat wirklich Spaß gemacht“, schildert die Moerserin ihre interessanten Eindrücke.
Abseits der sportlichen Wettkämpfe ergab sich für die deutsche Equipe auch kurz die Gelegenheit, sich in Peking und Umgebung umzuschauen. „Eine halbe Stunde bin ich auf der Chinesischen Mauer gelaufen. Das war zwar ein tolles Erlebnis für mich, aber ich habe mir die Mauer noch viel höher und breiter vorgestellt. Immerhin bin ich jetzt mal dort gewesen. Auch der Platz des Himmlischen Friedens war sehr beeindruckend für mich“, so die Moerserin.
Traurig war Lydia Götz vor allem darüber, dass sie sportlich nicht zu überzeugen wusste. Einen ganz schweren Patzer leistete sie sich im „Nordfaust“-Wettbewerb, den sie als 31. unter 50 Konkurrentinnen beendete. „Da bin ich umgeknickt und habe die anschließenden Sprünge wegen der Schmerzen nicht mehr sauber ausführen können. Und dann bin ich noch mit der Hand an den Boden gekommen, was massive Punktabzüge bedeutet.“ Zu diesem Zeitpunkt ging es ihr allerdings wegen der Mandelentzündung nicht sonderlich gut. Etwas besser lief’s für Lydia in der Konkurrenz mit dem Schwert (Platz 24 unter ebenfalls 50 Teilnehmerinnen). Ihr Kommentar: „Das war ganz okay, wenn auch längst nicht perfekt.“
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