Fußball: Siegesfeier mit Unterbrechung
VON DETLEF KANTHAK - zuletzt aktualisiert: 08.07.2008Eigentlich wollten Manfred Kant und die spanischen Fußballfans aus Kamp-Lintfort nur den Europa-Meisterschaftstitel ihrer Elf gebührend feiern. Doch schon am alten Rathaus war’s vorbei mit dem Spaß.
Wirt und Fußballer
Seit dem 1. Mai ist Manfred Kant als Clubwirt für die Gastronomie des TC Blau-Weiß Kamp-Lintfort zuständig. In dessen Vereinsheim an der Gohrstraße trafen sich am Abend des EM-Endspiels rund 150 Fußballfans zum „Public Viewing“. Der 34-Jährige spielte beim Fußball-Landesligisten Fichte Lintfort, ehe er in den beiden vergangenen Spielzeiten im Trikot des B-Ligisten SuS Rayen antrat.
Die Feier nach dem Endspiel der Fußball-EM war vorbereitet. Ein mit den spanischen Fahnen bunt geschmückter Autokorso rollte nach dem 1:0-Sieg der Iberer im Finale gegen die deutsche Nationalelf aus Kamp-Lintfort. Ziel war Moers, wo die glücklichen Spanier den Erfolg ihrer Elf gebührend feiern wollten.
„Wir wollten uns dort mit unseren spanischen Freunden aus Meerbeck treffen“, berichten Manfred Kant, trotz seines deutschen Namens ein waschechter Spanier, und sein Freund Antonio de la Puente. Nur, das mit dem Treffen musste aufgeschoben werden, weil ein deutscher Polizist einen in dieser Nacht kaum für möglichen gehaltenen Dienstfleiß an den Tag legte.
Hupend durch den Kreis
„Wir sind nur bis zum Kreisverkehr am alten Rathaus in Kamp-Lintfort gekommen“, erinnert sich Kant. Dort lenkte er sein Auto mehrfach hupend durch den Kreis, ehe er von dem Polizisten an den Straßenrand beordert wurde. „Der hat sich nicht vorgestellt“, erfuhr Kant den Namen des Gesetzeshüters nicht. Der wandte sich auch nicht an den Fahrer, sondern an den nicht angeschnallten Beifahrer, der sich mit einer Fahne in der Hand weit aus dem Fenster gelehnt hatte und verlangte dessen Ausweis.
„Den hab ich nicht dabei“, erfuhr der Polizist, der daraufhin nicht nur ein Strafgeld von 30 Euro forderte, sondern auch noch damit drohte, den Beifahrer mit zur Wache zu nehmen. „Ich wollte die Strafe übernehmen, Hauptsache, wir hätten schnell weiter fahren können“, ärgert sich Kant noch jetzt über den Vorfall. Doch daraus wurde nichts.
„Der Polizist ist dann ganz gemächlich zu seinem Auto gegangen, um dort einen Zahlschein auszufüllen“, hält Kant das Vorgehen nicht nur für eine Provokation, sondern nennt es „eine Sauerei“. Denn just in diesem Moment fuhr ein Auto mit deutschen Fußballfans an den Spaniern und dem Polizisten vorbei. „Vier Fans standen im Cabrio, und einer hatte sich sogar auf die Motorhaube gesetzt“, beschreibt Kant das Szenario. das den Gesetzeshüter diesmal aber nicht auf den Plan brachte. „Die durften weiterfahren, nur uns hielt der Mann in der grünen Uniform fest!“
Als der Korso endlich wieder rollen durfte, war die gute Laune der Spanier längst dahin. „Die Stimmung war weg“, erinnert sich Kant an den Ärger und an die Folgen der Verzögerung. In Moers waren derweil nämlich schon die Straßen der Innenstadt abgesperrt worden. Die spanischen Fußballfans mussten weit außerhalb parken und dann mit ihren Fahnen ins Stadtzentrum laufen. Da wurde es dann etwas später. Erst um 3.00 Uhr traf der Autokorso wieder in Kamp-Lintfort ein. Diesmal unbehelligt und ohne eine weitere Kontrolle.
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