Tennis: Zu viele Körbe
VON DETLEF KANTHAK - zuletzt aktualisiert: 14.06.2007Der TC Moers 08 zog Bilanz seiner Bundesliga-Saison und stellte fest: Die Suche nach der bestmöglichen Mannschaft war das Problem. Michaella Krajicek wird die Mannschaft aus der Grafschaft wohl verlassen müssen.
Da saßen sie beisammen, die Herren Manager, und leckten ihre Wunden. Wie Verwandte im Geiste ließen Stefan Hofmann vom TC Moers 08 und sein Stuttgarter Kollege Thomas Bürkle am vergangenen Sonntag noch einmal jene Stunden Revue passieren, die die Meisterschaft entschieden hatten.
Einfach lockerer drauf
„Ihr wart einfach lockerer drauf“, fasste der Chef des TEC Waldau zusammen, dessen Mannschaft mit dem 3:6 in Moers soeben den Titel verspielt hatte. Und Hofmann, für den es an jenem letzten Spieltag des Sommers eigentlich nur noch ums Prestige gegangen war, lenkte seinen Blick zurück auf die Partien gegen Benrath und Karlsruhe. Da hatte 08 die Meisterschaft verschenkt. „Gegen Benrath haben wir uns in den Doppeln verspekuliert, aber Karlsruhe hat richtig weh getan“, hatte Hofmann den dort vergebenen Matchball im entscheidenden Doppel immer noch vor Augen. Mit einem Sieg beim Meister hätte die Hand am Cup gelegen. Da hätten Hofmanns Mädchen nur noch zupacken müssen. „Das hätten wir geschafft“, ist der Manager überzeugt. Hätten, wenn und aber. Nichts ist draus geworden, und nun werden Fehler gesucht.
Im Wert gestiegen
Während ihre Kolleginnen an der Filder Straße noch das letzte Bundesligaspiel absolvierten, sicherte sich Angelique Kerber den Turniersieg im tschechischen Prevrov. Damit ist die Kielerin in Moerser Diensten in der Weltrangliste seit Montag zweitbeste deutsche Spielerinnen hinter Martina Müller vom TEC Waldau. Das steigert nicht nur ihren Wert, sondern auch die Furcht, dass andere Bundesligavereine sie aus Moers weglocken wollen. „Wir werden versuchen, sie zu halten“, erklärt 08-Manager Stefan Hofmann, genau wissend, dass die Konkurrenz finanziell lukrativere Angebote machen kann. „Bei dem höheren Etat anderer Clubs müssen wir damit rechnen, dass sie demnächst vielleicht in Benrath, Karlsruhe oder Bocholt spielen wird!“
13 Spielerinnen hat Moers ans Netz gestellt, die Konkurrenz aus Karlsruhe und Waldau ist mit deren elf ausgekommen, in Benrath waren es gar nur neun. „Die ständige Suche nach der bestmöglichen Mannschaft war unser Problem“, bekennt der Manager.
Da gab’s zu viele Körbe, zu viele Absagen von fest eingeplanten Akteurinnen. Siehe Michaella Krajicek: „Die Sache ist durch“, zeigt sich Hofmann von der Holländerin enttäuscht. Da wird es keinen neuen Kontrakt geben. Mit Karin Knapp und der Russin Ekaterina Bychkova wird der Club nur noch in ein Boot kommen, wenn deren Spielervermittler und Agenturen nicht mehr mit drin sitzen. Das scheint unwahrscheinlich.
Lediglich Angelika Bachmann, die alle Einzel gewann, und Hana Sromova mit einer stolzen 5:1-Bilanz waren in sämtlichen Partien an Bord. Das soll das neue Rezept sein. „Wir wollen vier Spielerinnen haben, die in allen Begegnungen eingesetzt werden“, verrät Hofmann. „Ab heute arbeiten wir dran.“ Dazu sollen pro Spieltag je zwei vertraglich gebundene Top-Spielerinnen hinzukommen, fertig wäre das Team, das das 100. Jahr des Moerser Clubs mit dem Titel krönen könnte.
„Die Meisterschaft 2008 wäre sensationell“, weiß der Manager um die Stärke und Ausgeglichenheit der Liga in der nächsten Saison. „Vier Mannschaften auf einem Niveau“, hat Karlsruhes Teamchef Markus Schur in diesem Jahr bereits ausgemacht. In zwölf Monaten versprechen auch die starken Aufsteiger aus Bocholt und Augsburg einen ganz heißen Sommer.
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