Zum Beispiel: Kinder wandern auf die Rheinpreussenhalde und genießen Spiel und Spaß. Zudem bietet sich ein toller Ausblick auf d
VON ACHIM BERTENBURG - zuletzt aktualisiert: 02.10.2008An der Startlinie steigen die Mädchen in ihre Kartoffelsäcke und halten sie mit den Händen in Hüfthöhe fest. „Auf die Plätze – fertig – los!“ Und schon hopsen die Wetthüpferinnen der Ziellinie entgegen. Wer eine andere Hüpferin anstößt, um sie zu Fall zu bringen, würde disqualifiziert. Passiert aber nicht. Wer von selbst hinfällt, steht wieder auf und setzt das Rennen fort. Wer die Ziellinie als Erste überhüpft, hat gewonnen. Diesmal hopst ein lustiges Sackhüpferinnenquartett dem Ziel entgegen. Ihr zappelnder Balanceakt ruft viel Gelächter auch bei den zuschauenden Erwachsenen hervor. „Hüpft ihr doch mal!“, rufen die Mädchen. Auch das ein Riesenerfolg. Fazit: Im Kartoffelsack gibt es keine Verlierer.
Diese Momentaufnahme steht für zahlreiche andere Beispiele, die eindrucksvoll bewiesen haben: Auch wenn Hersteller immer neue Versionen von Computerspielen für immer kleinere Kinder anpreisen, können derlei „Action“-Spiele die Klassiker, die sowohl Kinder als auch Erwachsene im Freien spielen können, nicht völlig verdrängen. Ob Eierlaufen, Sackhüpfen oder Tauziehen, die bewährten Traditionsspiele leben immer wieder auf und finden immer noch Fans.
Fast 700 Kinder und Lehrer
Und man mag es ja kaum glauben: Anlässlich des Weltkindertages, eingeladen vom Verein Niederrheinische Berg- und Wanderfreunde Moers, sind fast 700 Kinder und Lehrer der Robinson-, Uhr-, Eichendorff- und evangelischen Grundschule in Baerl sowie Gruppen des Kindergartens St. Ida auf die Rheinpreussenhalde gewandert (die RP berichtete).
Es macht aber Sinn, diesen außergewöhnlichen Tag im „Klassenzimmer Natur“ noch mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Denkt der Berichterstatter an seine Kindheit und ans Wandern, dann steigen Bilder von alten Männern in Kniebundhosen und Frauen mit Stockschirm auf. Alle singen mit heftigem Vibrato in der Stimme „Das Wandern ist des Müllers Lust“. Wandern? In diesem Punkt waren sich vor mehr als 50 Jahren Jungs und Mädchen sogar ausnahmsweise mal einig: Nix für Kinder! Man konnte doch überall spielen und sich austoben.
Damals war Kindern diese Lust auf Unbekanntes und Freude am Entdecken so zu sagen angeboren. Heute ist es unsagbar schwer, in der Stadt überhaupt Spielplätze und Lernorte zu finden, die den Sinn für Abenteuer in der natürlichen Umwelt bilden. Den richtigen Zeitpunkt abwarten und die Gelegenheit beim Schopfe fassen – diese Faustregel für so viele Dinge im Leben sollte auch beherzigen, wer Kindern heutzutage Natur statt Nintendo vermitteln will.
Bei allem Spiel und Spaß auf der Rheinpreussenhalde: Der Blick von oben auf den durchwanderten Raum und die zurück gelegte Strecke hat viele der größeren Kinder durchaus amüsiert. Die Kleinsten indes waren total überrascht und wahnsinnig stolz auf die eigene Kraft und Leistung.
Auskunftgeber Ohne sie geht’s nicht
Karl Brand von den Niederrheinischen Berg- und Wanderfreunden steht an vier Tagen in der Woche am „Geleucht“ interessierten Besuchern Rede und Antwort.
Und zwar: bis Ende Oktober samstags, sonntags, mittwochs und donnerstags von 14 bis 18 Uhr. Ab November verrichtet er diesen ehrenamtlichen Dienst samstags und sonntags von 13 bis 16 Uhr. Die Halde Rheinpreussen liegt in Moers an der Gutenbergstraße.
Während des Wanderns und an den Spielstationen haben 130 junge Helfer(innen) großartige Betreuungsarbeit verrichtet. Die Veranstalter bedanken sich bei der Jugend des THW und des SCI Moers, angehenden Erziehern(innen) und Kinderkrankenpflegern(innen) des Hermann-Gmeiner-Berufskollegs, dem Pädagogikkurs der Jahrgangssstufe 11 der Hermann-Runge-Schule, Jugendlichen des Bildungswerks des CJD Niederrhein in Moers sowie Schülern(innen) der Justus-von-Liebig Hauptschule in Moers.
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