Rheinberg: Auf den Spuren des Amplonius
zuletzt aktualisiert: 09.06.2010Rheinberg (RPO). 24 Lehrerinnen und Lehrer des Rheinberger Gymnasiums reisten nach Erfurt, um sich die berühmte Handschriftensammlung des Namensgebers ihrer Schule anzusehen.
Bildungsreise
Auch die Schattenseiten deutscher Geschichte wurden bei der Reise der nach Erfurt in den Blick genommen.
Ganz in der Nähe von Weimar, nur zehn Kilometer entfernt, liegt Buchenwald – ein Konzentrationslager der Nazis.
Dort gedachten die Lehrerinnen und Lehrer des Amplonius-Gymnasiums der mehr als 55 000 Ermordeten.
Amplonius Rating de Berka hätte sich gefreut: Besuch aus seiner Heimatstadt Rheinberg. 24 Lehrerinnen und Lehrer des Amplonius-Gymnasiums hatten sich zusammen mit Schulleiter Heinz Pannenbecker nach Erfurt aufgemacht, um die Handschriften- und Büchersammlung des Namensgebers ihrer Schule zu besichtigen, die hier in der modernen Universitätsbibliothek fachgerecht aufbewahrt und erforscht wird.
Vor genau 598 Jahren hatte der mittelalterliche Gelehrte und Arzt Amplonius seine wertvolle und umfangreiche Bibliothek dem von ihm gegründeten "Collegium Porta Coeli" gestiftet, das an die Universität Erfurt angegliedert war (Amplonius war der zweite Rektor dieser fünftältesten Universität Deutschlands) und zahlreichen Stipendiaten, auch aus Rheinberg, als Wohn- und Studienort diente.
Kostbare Handschriften
Thomas Bouillon, als Referent verantwortlich für die "Bibliotheca Amploniana", empfing die Rheinberger Pädagogen im Lesesaal der Sondersammlung der Universitätsbibliothek Erfurt, wo schon mehrere der kostbaren Handschriften auf die Besucher warteten. 633 Bände umfasste die größte private Bibliothek eines mittelalterlichen Gelehrten ursprünglich – ordentlich aufgelistet in einem von Amplonius um 1410 selbst geschriebenen Bücherkatalog, der alle seine gesammelten Schätze nach Fachgruppen sortiert.
1565 gebaut
Cirka 430 der wertvollen Bücher sind heute noch in Erfurt vorhanden. In zwei Jahren, zur 600-Jahrfeier der Bücherschenkung des Amplonius, plant die "Bibliotheca Amploniana" eine umfassende Ausstellung der prachtvollen Inkunabeln (bis 1500 mit beweglichen Lettern gedruckte Schriften) und mit Initialen und Verzierungen reich versehenen Handschriften. Spätestens dann werden die Rheinberger Amplonianer wieder auf den Spuren des Amplonius nach Erfurt reisen.
Nach dem Besuch in der ,Bibliotheca Amploniana' fuhren die Rheinberger in die Erfurter Altstadt, wo sie in der Michaelisstraße auf weitere Spuren des Namensgebers ihres Gymnasiums stießen. Hier hatte Amplonius von 1392 bis 1395 im "Haus zur großen Arche Noah und Engelsburg" gewohnt und studiert (das 1565 umgebaute Haus steht noch heute), hier befand sich in der Nummer 44 das Kollegium zur Himmelspforte, hier war der Sitz der 1392 gegründeten Erfurter Universität, das ,Collegium maius', gegenüber der altehrwürdigen Michaeliskirche. Und hier befindet sich heute, im Haus Nummer 40, das ,Gasthaus Amplonius', in dem die Rheinberger Lehrerinnen und Lehrer – natürlich – speisten.
Nach dem Besuch in der "Bibliotheca Amploniana" zog es die Amplonianer in eine weitere berühmte Bibliothek, nämlich die der Herzogin Anna Amalia in Weimar. Diese mehr als zweieinhalb Jahrhunderte später ins Leben gerufene Büchersammlung, seit 1797 von keinem Geringeren als Goethe geleitet, begeisterte die Lehrer aus Rheinberg ebenso wie die gesamte Kulturstadt Weimar mit ihren zahlreichen Zeugnissen der deutschen Klassik.
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