Rheinberg: Der Knall beim zweiten Abbau
VON RAINER KAUSSEN - zuletzt aktualisiert: 25.11.2009Rheinberg (RPO). Viele Rheinberger sind stinksauer über die Erdstöße, die der Kohleabbau verursacht. Markscheider Pollmann erklärt auf RP-Anfrage: Die Stöße sind nicht stärker, möglicherweise aber durch den Abbau-Fortschritt stärker zu spüren.
Gestern morgen um 8.59 Uhr wurden die Rheinberger durch einen heftigen Erdschlag aufgeschreckt – so wie am Montag gegen 10.15 Uhr, wie am vorigen Mittwoch kurz vor halb zwei, am Sonntag gegen Mittag und schon so viele Male zuvor. Die Ursache lässt sich aus den Messprotokollen schließen: Sie sagen, dass die Erdstöße in einer Tiefe von rund 1000 Metern entstanden. Dort also, wo die Kumpel aus dem Bergwerk West unter Rheinberg Kohle fördern. Und darüber sind viele Menschen in Rheinberg, vor allem an Annaberg und auch in Millingen, salopp gesagt stinksauer.
Warum die Folgen des Abbaus zurzeit deutlicher spürbar sind, wollte die RP von Markscheider Heinz-Dieter Pollmann wissen – und außerdem warum es überhaupt noch so starke Erschütterungen gebe, wo doch die Gesteinsschichten oberhalb der Kohle schon nach dem ersten Abbau-Durchgang gebrochen sein müssten. Das könne man so grundsätzlich nicht sagen, beschrieb Pollmann. Beispielsweise sei es sehr wohl denkbar, dass Gesteinsschichten durch den ersten Abbau viel Spannung gespeichert hätten – aber dann erst beim zweiten Abbau abrupt brechen. Das lasse sich so genau gar nicht vorhersagen oder berechnen. Pollmann: "Hier entladen sich Urkräfte."
In zwei Bereichen
Bergwerk West fördert von Kamp-Lintfort aus unter zwei Bereichen Rheinbergs Kohle:
Aktuell im Flöz Matthias 2 in der Bauhöhe 158 unter dem Annaberg; Bauhöhe 157 ist dort bereits beendet, 159 soll noch folgen.
In Alpsray wird im Flöz Blücher in der Bauhöhe 281 Kohle gewonnen. Andere Flöze sind bereits abgebaut.
Das Empfinden, dass zurzeit stärkere Erdstöße aufträten, teilt der Markscheider nicht. Möglicherweise seien sie jetzt für mehr Menschen zu spüren, weil sich der Abbaubetrieb näher zur Stadtmitte vorrücke. Überhaupt keine Rede sein könne davon, dass die Kohle mit zu hoher Abbaugeschwindigkeit gewonnen werde. "Es gibt in der Genehmigung maximale Werte pro Tag, und die halten wir ein."
Und daran ändere sich auch nichts dadurch, dass am nördlichen Rand des aktuellen Abbaufelde 158 hartes "Nebengestein" zum "hobelmeißelfressenden" Problem geworden war. Das habe nicht dazu geführt, dass nun eklatant schneller abgebaut werden müsse. Der Betrieb an sieben Tagen pro Woche mache das gesteckte Abbauziel auch so erreichbar und sorge außerdem durch seine Gleichmäßigkeit für einen schonenden Abbau. Wobei allen klar sei, dass der Übertage zu Schäden führe. Heinz-Dieter Pollmann: "Ich will gar nichts verniedlichen! Aber die Schäden werden von uns ja auch reguliert."
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