Alpen: Der weite Weg der "Missa"
VON UWE PLIEN - zuletzt aktualisiert: 02.01.2010Alpen (RPO). Der Chor Cantemus Büderich, das Orchester Collegium Musicum Krefeld und Solisten führen morgen in der Alpener St.-Ulrich-Kirche u.a. eine selten gespielte Komposition des Brasilianers José Mauricio Nunes Garcia auf.
Der Musik- und Literaturkreis Alpen beginnt sein Programm für 2010 bereits am Sonntag, 3. Januar, 17 Uhr, mit einem Highlight. In der katholischen Kirche St. Ulrich steht morgen ein festliches Weihnachtskonzert an. Im Mittelpunkt steht die Aufführung der "Missa Pastoril para Noite des Natal", einer Hirtenmesse für die Heilige Nacht, vom brasilianisch-portugiesischen Komponisten José Mauricio Nunes Garcia.
Der Komponist, geboren 1767 in Rio de Janeiro, war in seinen späteren Jahren Kapellmeister der Königlichen Kapelle am Hofe des portugiesischen Prinzregenten Johann (später König Johann VI), der anfangs des 18. Jahrhunderts auf der Flucht vor Napoleon I. in Rio residierte. Unter seinen Werken ist besonders die "Missa pastoril" von 1811 und die "Missa de Requiem" für die Königin Maria I. von Portugal zu erwähnen. Aufgrund der Qualität und Originalität seiner vielen Werke wird er von Musikexperten zu Recht als einer der bedeutendsten brasilianischen Komponisten der Kolonialperiode und als der "Beethoven Brasiliens" bezeichnet.
Es gibt noch Karten
Für das Konzert in der St.-Ulrich-Kirche gibt es noch Karten.
Der Eintritt kostet 13 Euro, ermäßigt 7 Euro.
Veranstaltet wird as Festkonzert vom Musik- und Literaturkreis.
Cantemus aus Büderich
Aufgeführt wird das Werk vom gemischten Chor Cantemus aus Büderich, dem Orchester Collegium Musicum Krefeld unter der Leitung von Bernd Erich Brinkmann, den Solisten Ulrike Mertens (Sopran), Christel Baum (Alt), Thomas Weiß (Tenor) und Karl-Josef Heppekausen (Bass). Die Gesamtleitung liegt in den Händen von Chordirektor Hans-Heinrich Struberg, in seiner Heimatgemeinde und darüber hinaus besser bekannt unter seinem Spitznamen "Struppi". Ihm ist es unter teils abenteuerlichen Umständen gelungen, die Noten zu diesem Werken zu erhalten (die RP berichtete). Denn diese waren im europäischen Raum nicht zu erhalten. 2005 hatte er eine CD mit brasilianischer Musik aus dem 19. Jahrhundert geschenkt bekommen. Darauf befand sich auch die "Missa pastoril", aufgeführt vom bekannten Schweizer "Ensemble Turicum" aus Zürich. Diese Messe gefiel ihm so ausnehmend gut, dass er sie unbedingt aufführen wollte. Allerdings hatte kein Verlag die Noten in seinem Programm oder konnte mit Tipps oder Hinweisen helfen. 2007 nahm er Kontakt mit dem Leiter des Ensembles, Luiz Alves da Silva, auf, einem brasilianischen Sänger und Chorleiter. Dieser überließ Struberg eine Menge brasilianisch-portugiesischer Musik der brasilianischen Klassik des 19. Jahrhunderts. Nur die Noten der "Missa pastoril" könne er ihm nicht überlassen.
Dank Maria Thielen
Über Maria Thielen aus Alpen, die in der Diözese Coroatá im Nordosten Brasiliens als Entwicklungshelferin arbeitete, bekam er die Noten dann noch – dank des dortigen tätigen Pater Alfredo, der zufällig einige Tage im 2700 Kilometer weit entfernten Rio Urlaub machen wollte.
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