Rheinberg: Ein Viertel lernt auswärts
VON RAINER KAUSSEN - zuletzt aktualisiert: 28.02.2007Rheinberg (RPO). 411 junge Rheinberger wechseln im nächsten Schuljahr an weiter führende Schulen, um fit zu werden fürs Leben. Rund 25 Prozent von ihnen haben sich dafür allerdings Schulen außerhalb der Stadtgrenzen ausgesucht
Wolfgang Fillers (CDU) trug gestern Abend im Schulausschuss ernüchternde Zahlen vor: „411 Schüler sind zurzeit in den vierten Grundschulklassen – aber nur 306 werden weiter führende Schulen in Rheinberg besuchen.“ Ein alarmierendes Zeichen, fand der Christdemokrat – denn „es kann nicht sein, dass eine Stadt 25 Prozent eines Jahrganges nicht in ihrem Schulangebot halten kann.“
Den Fähigkeiten zuordnen
Das Anmeldeverhalten der Eltern müsse dringend analysiert werden, fand Wolfgang Fillers – und auch die Empfehlungen der Schulen. Denn die müssten schließlich die Kinder jenen Schultypen zuordnen, die den Fähigkeiten der Kinder entsprechen.
Anmeldezahlen
Für das Schuljahr 2007/8 liegen folgende Anmeldezahlen in den fünften Klassen vor (in Klammer: Prognose v. September 2006):
Hauptschule Rheinberg: 36 (63) Realschule Rheinberg: 110 (142)
Amplonius-Gymnasium: 170 (150)
Dass es landesweit einen Trend zu Gesamtschulen gebe, merkte Klaus Bechstein (SPD) an – und weil es die in Rheinberg nicht gebe, orientierten sich Schüler schon seit Jahren nach Moers, nach Kamp-Lintfort und nach Wesel. „Dem kann man auch nicht entgegensteuern“, unterstrich Bechstein und wies auf die Wahlfreiheit der Eltern hin. Gleichwohl müsse man sich langfristig mit der Frage beschäftigen, ob nicht auch in Rheinberg eine integrative Schulform angeboten werden solle.
Als massive Absage der Eltern an das dreigliedrige Schulsystem bewertete Dietmar Heyde die Abwanderung aus Rheinberg – die Stadt sei aufgerufen, frühzeitig die Weichen zu stellen, um gegenzusteuern und Alternativen zu bieten. Die Entwicklung ließ auch Herbert Becker nicht kalt – der FDP-Ratsherr erinnerte allerdings daran, dass es ähnliche Zahlen auch schon in den vergangenen Jahren gab.
Genau daraus errechnete Wolfgang Fillers eine eindrucksvolle Summe: „Zusammen genommen besuchen in den Jahrgängen der weiter führenden Schulen zehn volle Klassen mit Rheinberger Kindern den Unterricht in Nachbarstädten.“ Das entspreche einer ganzen Schule.
Eine ganze Schule
Ein äußerst plakativer Vergleich, fanden die Ausschussmitglieder. Aber ein Argument, den von manchen Eltern gewünschten Fortbestand des Hauptschulstandortes Borth zu betreiben? Nein, fanden die Politiker, denn die ins Umland pendelnden Kinder und Jugendlichen seien natürlich nicht alle Hauptschüler.
Fakt sei: Es gibt eine „Abstimmung mit den Füßen“ der Eltern, analysierte Bürgermeister Hans-Theo Mennicken. Ganz entscheidend ist es deshalb nach seiner Überzeugung, „unsere Schulen und die Arbeit, die dort geleistet wird, positiv darzustellen“.
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