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Rheinberg: Erinnerungen an Armenien

VON RAINER KAUSSEN - zuletzt aktualisiert: 24.12.2009

Rheinberg (RPO). Hilfe beim Wiederaufbau: Hans-Joachim Müller aus Rheinberg war nach der Erdbebenkatastrophe als DRK-Helfer in Armenien – und musste das Weihnachtsfest nach einem Unfall im Krankenhaus verbringen.

Spitak war der Einsatzort der DRK-Helfer aus Deutschland. Foto: RPO
Spitak war der Einsatzort der DRK-Helfer aus Deutschland. Foto: RPO

Das Weihnachtsfest vor 20 Jahren ist vielen noch heute in besonderer Erinnerung: Es war das erste Weihnachten nach dem Fall der Mauer; für viele Familien im zusammenwachsenden Deutschland war es das erste Fest, das sie nach oft jahrzehntelanger Zwangstrennung gemeinsam verbrachten.

Hans-Joachim Müller hat die Festtage vor zwei Jahrzehnten ganz anders vor Augen: Damals lag der Rheinberger im Johanniter-Krankenhaus Rheinhausen und erholte sich von den Folgen eines Unfalls in Armenien. Dorthin war der damals 33-Jährige just an dem Tag geflogen, als in Deutschland die Mauer fiel, um als Freiwilliger im DRK tatkräftig beim Wiederaufbau nach einem großen Erdbeben zu helfen.

Bilder der Zerstörung

Info

Weichenstellung

Der Einsatz in Armenien hat die Helfer zu einer festen Gemeinschaft gemacht: Jahr für Jahr treffen sich die Mitglieder der DRK-Crew und Kollegen des THW immer am "Vatertag".

Die nächste Begegnung 2010 bereitet Hans-Joachim Müller zurzeit vor. Die Familien sind mit dabei, "sonst könnte man das über so lange Zeit gar nicht machen."

Apropos Familien: Für drei aus dem Helfer-Kreis war der Einsatz eine weit reichende Weichenstellung – sie fanden in Armenien die Frau fürs Leben.

Knapp 25 000 Menschen waren bei dem Erdstoß ums Leben gekommen; 100 000 mussten evakuiert werden, ganze Städte waren in Sekunden zu Trümmerwüsten geworden. Als Hans-Joachim Müller mit seinen Kollegen vom Deutschen Roten Kreuz in Armenien eintraf, prägte Bilder der Zerstörung seinen ersten Eindruck von diesem Land: "Überall zerstörte Häuser. Noch Monate nach dem Beben hockten Hunderte in großer Not in Zelten – trotz der internationalen finanziellen Unterstützung."

Möglichst vielen der Opfer einen zweiten Winter unter freiem Himmel zu ersparen – das war die Aufgabe von Hans-Joachim Müller und seinen Kollegen. Sie lösten Kollegen ab und bauten weiter an einer neuen Siedlung, die aus vorgefertigten Teilen im Dorf Mets Parni montiert wurde. Das Projekt wurde zur schweren Plackerei in einer sechs-Tage-Woche. Mit Schichten von 8 bis 18 Uhr. Bei beißenden Nachtfrösten. Allen Problemen zum Trotz schafften die Helfer das vorgegebene Pensum: haben Elektrokabel verlegt, Lampen montiert, Installationsarbeiten erledigt und was sonst noch dazu gehört, ein Haus bezugsfertig zu machen. Ganz zum Schluss sollen noch Fertigbauteile in einer Halle eingelagert werden – und dabei verunglückt Müller. Sein kompliziert gebrochener Fuß wird zunächst im provisorischen Container-Krankenhaus versorgt. Später fliegt ihn ein Ambulanz-Jet der Flugrettung zurück nach Deutschland. Folgenlos ist der Unfall nicht: Hans-Joachim Müller bleibt zu 30 Prozent schwerbehindert. "Trotzdem habe ich es nicht bereut, dort geholfen zu haben", unterstreicht Müller, der im DRK seinen Berufswunsch verwirklichen konnte und als Rettungsassistent beim DRK-Kreisverband Niederrhein in Rheinberg arbeitet.

Im Rettungs-Jet

Der Heimflug im Rettungs-Jet war übrigens kein Abschied von Armenien ohne Wiedersehen: Nach zehn Jahren reisten Aufbauhelfer zum ersten Mal gemeinsam wieder nach Armenien und stellten fest, dass die eigentlich als Provisorium konzipierten Fertighäuser noch immer gute Dienste taten. Doch obwohl viel Aufbauarbeit geschafft war, gab es auch noch große Trümmerberge aus der Zeit des Erdbebens.

Fotos
Hans-Joachim Müller arbeitet heute als Rettungsassistent beim DRK Kreisverband Niederrhein in Rheinberg. Foto: RPO
Beim Aufbau dieser Fertighäuser half Hans-Joachim Müller, um den Menschen im Erdbebengebiet einen Winter im Freien zu ersparen. Foto: RPO
Nur noch Ruinen blieben den Armeniern nach dem Erdbeben. Foto: RPO
Quelle: RP

 
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