Rheinberg: Flott und fesch und formidabel
VON LISS STEEGER - zuletzt aktualisiert: 26.01.2010Rheinberg (RPO). Das Neujahrskonzert der Musikalischen Gesellschaft Rheinberg entführte das Publikum in die Welt der leichten Wiener Muse. Strauß & Co. standen im Mittelpunkt des Abends mit der Mitteldeutschen KammerPhilharmonie.
Einen begeisterten Dirigenten, der selbst begeistern konnte, erlebten die Zuschauer in der bis über beide Balkon-Reihen voll besetzten Stadthalle in Rheinberg. Mit "Johann Strauß und seine Zeit" trat auf Einladung der Musikalischen Gesellschaft die Mitteldeutsche KammerPhilharmonie unter der Leitung von Christian Simonis auf. Ihn zeichneten Raffinesse, Übersicht, Leidenschaft bis zur völligen Hingabe aus. Sein Lehrmeister Hans Swarowsky, bezeichnete ihn als eine "wienerische Urbegabung".
"Die schöne Helena"
Gleich nach der Ouvertüre zur Operette "Die schöne Helena" wusste das Publikum dieses Engagement überschwänglich zu schätzen. Charmant, wie es sich für einen Wiener gehört, führte Simonis mit Anekdoten und Geschichten durch das Programm. Er gratulierte der Musikalischen Gesellschaft zu ihrem 30-jährigen Bestehen mit Mutter Goethes "Rezeptvorschlag für ein ganzes Jahr".
Ein Liederabend
Zu einem Liederabend lädt die Musikalische Gesellschaft Rheinberg am Sonntag, 28. Februar, um 19 Uhr in die Rheinberger Stadthalle ein.
Lieder und Klavierstücke Leipziger Komponisten bringen dann Alexandra Röseler (Mezzosopran) und Dietmar Nawroth (Klavier) zu Gehör.
Der Eintritt beträgt 12 Euro, Jugendliche haben freien Eintritt. Nähere Infos: www.musikalische-gesellschaft.de
Ein Feuerwerk der Wiener Musik stellte das Programm mit Champagnerlaune und Wiener Charme dar, gespickt mit großem Gefühl, Walzer-Seligkeit der Operetten-Schatzkiste und deren Ohrwürmer. Zurecht zählt die Mitteldeutsche KammerPhilharmonie zu den profiliertesten Klangkörpern des Musiklandes Sachsen-Anhalt und hat sich in der Welt der unterhaltenden Klassik einen Namen gemacht.
Ergänzung und Bereicherung zugleich war die polnische Koloratursopranistin Katarzyna Dondalska, die bekannte Lieder aus den Johann-Strauß-Operetten "Wiener Blut" und "Die Fledermaus" sang. Mit hinreißender Lebendigkeit sowohl im Ausdruck als auch in der Musikalität spielte sie "Die Unschuld vom Lande" und trat becirct oder beschwipst mit Augenaufschlag "Mein Herr Marquis" gegenüber. Sie löste Ausrufe des erfreuten Erstaunens hervor, als sie nach der Pause im offenherzigen türkisfarbenen Tüllkleid auftrat. Mit ihrer perfekten Gesangstechnik meisterte sie mühelos alle Tücken, fabrizierte herrlich leicht gesungene Spitzentöne und wurde vor allem für ihre großartigen Koloraturen mit herzlichem Beifall belohnt.
Der Strauß aus dem Norden
Als den Johann Strauß aus dem Norden wird Hans Christian Lumbye, dessen 200. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird, bezeichnet. Nur 25 Jahre jünger würde Eduard Strauß. Mit unbändiger rasanter Spielfreude spielte das Kammerorchester den beschwingten "Champagner Galopp", sowie die Polkas "Mit Dampf!" und "Bahn frei!".
Mit "flott und fesch" bestimmte Simonis den "Deutschmeister-Regiments-Marsch" (Jurek) und den "Wiener Bürger-Walzer" (Ziehrer). Zum Schluss des Konzerts dirigierte er ebenso begeistert auch das klatschende Publikum beim Radetzky-Marsch.
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