Rheinberg: Heimat für Würger und Wurz
VON SABINE HANNEMANN - zuletzt aktualisiert: 08.06.2010Rheinberg (RPO). Von der größten Grünland-Umpflanzaktion sprechen die Biologische Station und Hülskens. 6000 Quadratmeter Soden im Orsoyer Rheinbogen werden umgepflanzt. Pflanzen auf der Roten Liste werden nachhaltig gesichert.
RHEINBERG-EVERSAEL Wenn die Woche endet, sind 6000 Quadratmeter ökologisch wertvolle Fläche umgepflanzt. Rund 400 Quadratmeter pro Arbeitstag transportieren Radlager aus der "Spenderfläche" am Orsoyer Rheinbogen in die "Empfängerfläche" gut einen Kilometer weiter, schätzt Franz-Josef Stenmans von der Firma Hülskens.
Schon im Vorfeld wurde die Fläche nach noch möglichen Nestern abgesucht. Sechs Quadratmeter und ungefähr 25 Zentimeter dick sind die einzelnen Soden, die Stück um Stück abgetragen werden. Seltene Pflanzengemeinschaften wie Nelken-Sommerwurz, auch als Labkraut-Würger bekannt, Kleine Wiesenraute, Zypressenwolfsmilch oder Straußblütiger Sauerampfer, die auf der Roten Liste als gefährdet eingestuft sind, haben ein neues Zuhause gefunden, bevor in diesem Jahr die Phase der Auskiesung auf der Wardtweide beginnt.
Spezielle Geräte
Sechs Quadratmeter groß und etwa 25 Zentimeter dick sind die Grassoden, die jetzt Stück für Stück umgepflanzt werden.
Rund 25 000 Euro soll die Aktion kosten, für die sogar spezielle Gerätschaften angefertigt worden sind.
Spätestens im nächsten Jahr sollen sich die Tiere, die auf den Flächen wohnen, an den neuen Standorten zurechtfinden können.
Komplette Fläche
Kiesindustrie und Naturschutz praktizieren in Kooperation die dynamische Version, die im Rheinbogen erfolgversprechend ist. Seit einem Jahr laufen die Vorbereitungen. "Eine Zusammenarbeit, die auch im Naturschutz ein Umdenken dokumentiert", meinte dazu Klaus Lorenz, Vorsitzender der Biologischen Station. Jedoch nicht jede ökologisch wertvolle Fläche sei geeignet, wie das Beispiel der Verlegung einer Moorlandschaft gezeigt habe.
Das Verfahren, komplette Fläche umzupflanzen, gilt in diesem Fall als erfolgversprechend, weil am neuen Standort im Rheinbogen für die wertvolle trockenwarme Glatthaferwiese Höhenlage und Bodeneigenschaften stimmen. "Wir müssen allerdings auf das nächste Frühjahr warten, um den endgültigen Erfolg zu sehen", meinte dazu Wilhelm Itjeshorst, Biologische Station Wesel. Für die ansässige Tierwelt von Insekten und Bodenbrütern wie Feldlerche und Wiesenpieper sieht Regina Müller (Biologische Station) keinerlei Probleme, sich am neuen Standort spätestens in der nächsten Saison zurechtzufinden.
Rund 25 000 Euro kostet die Grünland-Umpflanzung mit den speziell angefertigten Gerätschaften, die in der Glatthaferwiese zum Einsatz kommen. Ähnliches Verfahren wurde vor Jahren schon einmal auf der Bislicher Insel angewandt. Das Grünland direkt umzupflanzen ist jedoch eine Neuheit. Der dazugehörige Antrag liegt Jahre zurück, der Feststellungsbescheid stammt von Ende 1995. "Man rechnet bei solchen Maßnahmen bis zu 15 Jahren", meinte Itjeshorst. In dem Planfeststellungsbeschluss war damals bereits die Umsiedlung der dortigen schützenswerten Pflanzengemeinschaften festgeschrieben worden.
Genetische Vielfalt
Als besonders Highlight stuft die Biologische Station eine anschließende Mähaktion ein, um heimisches Saatgut zu gewinnen, das später auf eine weitere, zehn Hektar große Fläche ausgebracht werden soll. "Wir haben viele Wildlinge vor Ort und schaffen es so, die genetische Vielfalt zu behalten" sagte Itgesfort.
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