Alpen: Im Schatten der Mauer
VON SABINE HANNEMANN - zuletzt aktualisiert: 10.11.2008Alpen (RPO). Eine außergewöhnliche Veranstaltung fand Sonntagabend im PZ statt: Mit einem „Tragical“ gedachte man dem 70. Jahrestag der November-Pogrome von 1938. Es spielte die Gruppe „Fünf Brote und zwei Fische“.
Das Pädagogische Zentrum der Alpener Realschule war gut gefüllt. Die Erwartungen an das zweistündige Tragical „Im Schatten der Mauer“ waren ganz unterschiedlicher Natur. Die ältere Generation mahnte gegen das Vergessen. „Wir müssen unsere Erfahrungen und Erlebnisse weitergeben“, meinte ein Besucher. Andere kamen, weil die Aufführung des Tragicals sie interessierte. „Wir wollen sehen, wie es gewesen sein könnte“, meinten die Alpenerinnen Hilke Becks, Aleen Küppers und Lena Reinken (alle 15). Aus vielen Erzählungen der Familie, aus Büchern und Filmen wissen sie bereits, „dass es sehr schlimm gewesen sein muss“. Um so anerkennender ist die Bereitschaft von Jugendlichen, sich mit diesem Thema auseinandersetzen zu wollen.
Mahnmal Burgstraße
„Das Stück endet nach zwei Stunden. Es soll aufrütteln. Danach braucht man Zeit für sich alleine“, weiß Pfarrerin Ulrike Thölke (Wallach-Ossenberg) aus zweimaliger Erfahrung.
Im Anschluss an die Aufführung begaben sich die Gäste des Pädagogischen Zentrums betroffen zur Burgstraße, wo sie der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus gedachten.
Erschüttert und traurig
Alpens Bürgermeister Thomas Ahls traf in seiner Begrüßung die Stimmung der Besucher. „Wir sind am Mahndenkmal an der Burgstraße erschüttert und traurig.“ Unfassbar bliebe, was damals passiert sei. Aufgabe der verschiedenen Generation sei, der Jugend dies bewusst zu machen. Das Schicksal von Millionen jüdischer Menschen sei die bleibende Aufgabe, Grenzüberschreitungen nicht hinzunehmen. „Wehret den Anfängen“, so Bürgermeister Ahls.
Für den Kontakt zur Laienspielgruppe aus der evangelisch-reformierten Gemeinde Wülfrath „Fünf Brote und zwei Fische“ um Pfarrer Klaus-Peter Rex kam über Pfarrerin Ulrike Thölke zustande. Dort hatte sie ihr Vikariat gemacht. Alpens Pfarrerin Heike Becks stammt von dort. Das Tragical zum 70. Jahrestag der „Reichskristallnacht“ ohne eine begleitende Podiumsdiskussion aufzuführen, erschien dem Ökumeneausschuss angemessener. Sicherlich sei das Tragical sehr schwerer Stoff, mit dem sich jeder auseinandersetzen müsse. „Gerade auch deshalb, weil wieder Ausbildungscamps aktiv werden“, meint Pfarrerin Thölke.
Ein Brückenschlag
Die Musik des Stücks sei dabei der Brückenschlag zum Thema und zur jungen Generation. Eindringlich und mahnend wird die Geschichte des 13-jährigen Mischas erzählt, der mit seinen Schwestern innerhalb des Ghettos lebt. Er organisiert das Leben trotz aller Widrigkeiten und Gefahren. Seine Stütze ist der Kinderarzt und Pädagoge Janusz Korczak. Schon in den ersten Bildern, sieben sind es insgesamt, baut sich eine spürbare Bedrückung auf, Hilflosigkeit und Angst vor Willkür machen sich breit. Und das ändert sich bis zum Schluss nicht, bei der Nebel die Bühne umgibt, während die Kinder in das KZ Treblinka abtransportiert werden. Den Arzt Janusz Korczak hat es gegeben, um rankt sich die fiktive Geschichte Mischas. Die Erzählidee stammt von Christa Laird, die auf dem Dt. Kirchentag in Leipzig vor über zehn Jahren von der Wülfrather Gruppe umgesetzt wurde.
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