Rheinberg: "Katastrophale Getreideernte"
VON WILJO KRECHTING - zuletzt aktualisiert: 01.07.2010Rheinberg (RPO). Die Hitze der vergangenen Tage und Wochen hat der Landwirtschaft am Niederrhein stark zugesetzt – das Getreide droht zu vertrocknen. Wegen dieser "Notreife" fangen die Landwirte zwei Wochen früher als sonst mit der Ernte an.
Wenn der Budberger Landwirt Wilhelm Scheepers in diesen Tagen an seinen Getreidefeldern vorbeifährt, dann bietet sich ihm ein trauriges Bild: "Mit der Getreideernte sieht es in diesem Jahr düster aus. Kleine Körner und somit magere Erträge", sagt der Landwirt. Wenn das so weiter gehe, werde selbst der Mais in Mitleidenschaft gezogen.
Fehlender Regen ist das Problem
Grund für die erwarteten Ernteausfälle ist das heiße Wetter und der seit Wochen ausbleibende Regen. "Insbesondere die vergangenen sieben bis zehn Tage haben dem Getreide sehr arg zugesetzt. Aber das ganze bisherige Jahr war schon relativ trocken und kühl. Die Getreideeernte können die Bauern am Niederrhein in diesem Jahr wohl abschreiben", sagt Klaus Theobald, Ackerbauberater der Landwirtschaftskammer NRW in Wesel, der auch für den Bereich Rheinberg und Alpen zuständig ist.
Der Getreidepreis
Auch wenn die Getreideernte am Niederrhein in diesem Jahr spärlicher als sonst ausfällt: die weltweiten Ernten dürften ertragreicher sein.
So lag der Preis für Weizen gestern bei 131,50 Euro pro Tonne. Wegen akuter Knappheit auf dem Weltmarkt hatte der Preis im Rekordjahr 2007 schon mal bei 270 Euro pro Tonne gelegen.
Ganz besonders der trockene Juni hat dazu geführt, dass das Getreide die sogenannte Notreife erreicht hat. "Das bedeutet, dass die Reife eintritt, bevor die Frucht voll ausgebildet ist. Das geschieht, wenn aufgrund der Trockenheit die Getreidekörner keine Stärke mehr einlagern können", erklärt Wilhelm Neu, Vorsitzender der Kreisbauernschaft des Kreises Wesel.
Insbesondere die Böden am Niederrhein seien bei Hitze sehr anfällig. "Es handelt sich hier zumeist um sandige Böden, die sehr leicht und anfällig sind. Besonders bei länger anhaltenden Temperaturen jenseits der 30 Grad Celsius", sagt Dr. Hans Joachim Betzer vom Geologischen Dienst NRW mit Sitz in Krefeld. Somit verschiebt sich die gesamte Getreideernte in diesem Jahr um zwei Wochen nach vorne. Die erste Getreideart, die in einem Erntejahr vom Feld kommt, ist die Gerste. Es folgen Triticale, Hafer und Roggen und zum Schluss der Weizen. "Wenn die Hitze anhält, dann werde ich in der nächsten Woche mit der Ernte der Gerste beginnen", sagt Wilhelm Scheepers. Das sei bitter nötig, da ansonsten bald trockenheitsbedingt die Halme abknicken würden, was fast einem Totalausfall gleichkommen würde, so der Landwirt weiter.
Beim aktuellen Schnitt des Ackerfutters sei es bereits so weit gekommen. "Der letzte Schnitt des Heus war praktisch ein Säuberungsschnitt. Die Grünflächen waren bereits so verdorrt, dass das Heu zum allergrößten Teil nicht mehr als Tierfutter verwendet werden konnte", sagte Kreislandwirt Wilhelm Neu.
Hoffnung für Gemüse
Auch wenn die meisten Landwirte am Niederrhein mit der Getreideernte in diesem Jahr bereits abgeschlossen haben: Hoffnung besteht noch für das Gemüse. Denn hier lohnt sich auch die künstliche Bewässerung, mit der einige Bauern längst begonnen haben.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum
