Rheinberg: Kenntnisnahme abgelehnt
VON UWE PLIEN - zuletzt aktualisiert: 27.01.2012Rheinberg (RP). Rheinbergs Bauausschuss befasste sich mit der Sanierung von Kanälen, die durch den Kohlebergbau beschädigt wurden. Große Verärgerung über den Kostenanteil, den die Stadt an der Beethovenstraße übernehmen soll.
Im Bau- und Planungsausschuss stellte Rolf Schwarze vor vom Ingenieur-Büro Patt (Voerde) jetzt vor, wie es weiter gehen soll mit der Sanierung von Kanälen, die durch den Kohlebergbau beschädigt wurden. Es war eine Präsentation, die mehr Fragen aufwarf als Antworten gab. Kurz zusammengefasst: Bis 2015 werden verschiedene Bereiche in Orsoyerberg nach und nach saniert. Die Kosten belaufen sich auf insgesamt 4,3 Millionen Euro, davon soll die Ruhrkohle AG nach jetzigem Stand 2,6 Millionen Euro tragen, der Rest verbleibt bei der Stadt.
Das sei darin begründet, dass nicht alle Schäden bergbaubedingt entstanden seien, sagte Robert Braun, Fachbereichsleiter Tiefbau. So seien vor Jahrzehnten beispielsweise Hausanschlüsse nach heutigem Stand der Technik "falsch" angebracht worden. Sie seien "angeschlagen" worden, nach dem Motto: Loch in die Kellerwand, Rohr reingelegt, mit Beton abgedichtet.
Noch viel zu erneuern
Der Steinkohleabbau unter Orsoy, Budberg, Vierbaum und Eversael ist längst beendet – die Folgen sind nach wie vor spürbar.
So müssen in den kommenden Jahren noch zahlreiche Abwasserkanäle erneuert werden, weil sie durch die Bergsenkungen kaputt gegangen sind.
In Orsoyerberg ist bereits 2008 eine umfangreiche Sanierung abgeschlossen worden, 2011 wurde der Kuhdyk in Zusammenarbeit mit Straßen.NRW erneuert.
Braun sagte, RAG und Stadt stimmten sich ab, damit man nicht aneinander vorbei arbeite und möglicherweise zweimal an derselben Stelle buddeln müsse. Wobei es in den meisten Fällen keine offenen Gräben geben werde. Braun: "Wir werden überwiegend im Inliner-Verfahren arbeiten." Was bedeutet: alte Leitungen werden neu ausgekleidet und abgedichtet. Braun sagte, das "Anschlagen" der Hausanschlüsse sei damals üblich gewesen und könne nicht als handwerkliche Fehlleistung angesehen werden.
Knapp zwei Millionen Euro
Das rief CDU-Sprecher Josef Devers auf den Plan, der sich hartnäckig zeigte. Bei diesen nicht bergbaubedingten Kanalsanierungen gehe es um knapp zwei Millionen Euro. Viel Geld für die Bürger – da müsse man erwarten können, dass die Arbeiten nur dann gemacht werden, wenn sie tatsächlich erforderlich sind. Ist der Bergbau vielleicht doch der Schuldige? Devers ging mit Ingenieur Schwarze hart ins Gericht, rang ihm das Eingeständnis ab, dass sein Büro für den Bergbau arbeite und mutmaßte, dass die Stadt vor diesem Hintergrund nicht gut wegkomme.
Damit forderte er gleichzeitig auch die Verwaltung auf, hartnäckiger mit der RAG zu verhandeln. Richtig auf die Palme brachte Devers aber ein anderer Punkt: Auch der Kanal in der Beethovenstraße müsse erneuert werden, und da solle die Stadt knapp die Hälfte der Kosten tragen. Der CDU-Mann aus Orsoy: "Das ist im Neubaugebiet, also eine neue Straße. Und sie ist durch den Bergbau kaputt. Da liegt ein städtischer Anteil von 45 Prozent deutlich zu hoch." Denn normalerweise haben Kanäle eine Lebenserwartung von 70 bis 80 Jahren.
"...auch nicht zufrieden"
In SPD-Mann Karl-Heinz Schlusen, der selbst im betroffenen Neubaugebiet wohnt, fand Devers einen Unterstützer. Ihn wunderte auch die recht lange Bauzeit für die einzelnen Maßnahmen. Beigeordneter Dieter Paus sagte, dass noch mit der RAG verhandelt werde: "Wir sind mit diesem Kostenanteil auch nicht zufrieden." Zu beschließen war bei dem Tagesordnungspunkt nichts, er war zu Kenntnisnahme. Der Ausschuss war mit der Vorstellung so unzufrieden, dass er Wert legte auf den Protokoll-Eintrag "nicht zur Kenntnis genommen".
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