Rheinberg: Kraftwerk: „Hohe Vorbelastung einrechnen“
VON RAINER KAUSSEN - zuletzt aktualisiert: 25.05.2007Rheinberg (RPO). Die Diskussion ging schon in die Schlussphase, als die Kritiker des Solvay-Kraftwerksprojektes beim Erörterungstermin in der Stadthalle gestern Nachmittag noch einmal mächtig austeilten. Wer über dessen künftige Emissionen spreche, dürfe die schon heute vorhandene Luftbelastung gerade mit krebs erregenden Stoffen nicht ausblenden, forderten Einwender im Genehmigungsverfahren.
Es ging um Dioxine und Furane, die bei der geplanten Verbrennung von aufbereitetem Müll als Ersatzbrennstoff entstehen. Um Grenzwerte, die – so war aus Reihen der Bürgerinitiative zu hören – z.B. in Ossenberg heute schon überschritten würden. Es ging den Anlagen-Kritikern aber auch um Vinylchlorid. Michael Lefknecht, Sprecher der Bürgerinitiative: „Vinylchlorid ist krebserzeugend und anerkannte Berufserkrankung bei Arbeitern in der PVC-Industrie – und nach eigenen Angaben hat die Firma Solvin im Jahre 2004 insgesamt 16 Tonnen davon gasförmig frei gesetzt.“
16 Tonnen Vinylchlorid
Auch Gutachter Professor Evers hielt eine Reduzierung für sehr wünschenswert – das Thema sei aber nicht Gegenstand dieses Genehmigungsverfahrens. Wofür er prompt Kritik einfuhr. Der Experte setze nicht um, was er als Wissenschaftler und Arzt selbst für sinnvoll erachte, fand Voerdes Planungsamtsleiter Seidel: „Das Gutachten holt nicht das heraus, was ’rauszuholen ist“. Michael Lefknecht gestand zu, dass der Gutachter sich darauf zurück ziehen könne, er habe mit seiner Expertise die ihm konkret gestellten Fragen beantwortet. Angesichts der hohen Vorbelastung forderte Lefknecht aber ebenso wie Anwalt Philipp Heinz und Ingo Gödeke (Umweltverbände) eine Sonderfallprüfung, die Gesamtbetrachtung der Situation und eine neue Gesundheitsgefährdungsprüfung. Zumal auch die Abgas-Summe der geplanten Müllverbrennung Vinylchlorid enthalte.
Nur über die Bundesstraße
Der Lärm durch die Verbrennungsanlage war am Vormittag Erörterungsgegenstand. Dass keine wahrscheinlich relevante Mehrbelastung entsteht, wurde durchweg akzeptiert – vorausgesetzt, die angenommenen Berechnungsgrößen stimmen. Und das wurde vor allem beim Schornstein skeptisch gesehen. Außerdem bedeute die Einhaltung der Vorgaben nicht, dass man die Anlage später nicht mehr hört.
In der Debatte um den Verkehrslärm erläuterte Dr. Kleiböhmer (Solvay), die vertraglich mit den Lieferanten festgelegten Routen führt definitiv nicht durch Millingen oder Ossenberg sondern nur über die B 57. Maximal würden 95 Lkw eingesetzt – werktags, davon samstags von 8 bis 14 Uhr.
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