Alpen: Neues Leben im Leucht-Wald
VON UWE PLIEN - zuletzt aktualisiert: 24.12.2009Alpen (RPO). Im Revier von Förster Christian Pfeifer wird kräftig angepflanzt. Die Experten setzen vor allem auf Laubbäume. Nach wie vor wachsen aber auch Nadelbäume: Kiefern und Douglasien, aber kaum noch Fichten.
"Kyrill" war der Tiefpunkt. Das Sturmtief verwüstete vor knappe drei Jahren den Wald nach allen Regeln der Kunst. "Damals ist so viel Holz gefallen wie ich als Förster normalerweise in zehn Jahren schlagen würde", sagt Forstinspektor Christian Pfeifer, der für das 2000 Hektar große Waldgebiet zuständig ist. Es erstreckt sich von Rheurdt über Kamperberg, durch die gesamte Leucht, den Winkelschen Busch in Sonsbeck und den Latzenbusch in Veen.
Aber: Förster Pfeifer bestätigt, was der kürzlich veröffentlichte Waldschadensbericht 2009 ausweist: Der Wald erholt sich. "Bei uns sieht es ganz gut aus", so der 37-Jährige. "Wir haben schon gut 30 Hektar Wald wieder aufgeforstet. Aber 45 Hektar haben wir noch vor der Brust. Aber natürlich kann man noch lange nicht davon sprechen, dass der Wald gesund ist." Dazu sind Luft- und Wasserverschmutzung zu gravierend.
Hier geht's lang
Christian Pfeifer ist einer von 23 Förstern im Revierforstamt Niederrhein und ist zuständig für das Revier Leucht.
Der 37-Jährige – er stammt aus der Nähe von Koblenz – hat Forstwissenschaften in Göttingen studiert und ist seit 2003 bei der Behörde beschäftigt. Seit einem Jahr lebt Pfeifer mit seiner Frau im Forsthaus Huck an der Rheinberger Straße in Alpen.
Kyrill ist der Name des Orkans, der am 18./19. Januar 2007 das öffentliche Leben in weiten Teilen Europas beeinträchtigte und in Böen Windgeschwindigkeiten von bis zu 225 km/h erreichte.
Er forderte 47 Todesopfer und führte zu enormen Sachschäden.
Rund 48 000 Bäume pflanzen die Experten insgesamt. 5000 Esskastanien sind schon gesetzt, zudem 550 Küsten-Mammutbäume, auch 5000 Rubinien sollen die Fläche stärken. 65 Prozent der Waldfläche in seinem Revier sind mit Laubbäumen bestellt – Eichen, Buchen, Ahornbäume.
Zwei Versuchsfelder
Zwei Versuchsfelder gibt es in der Leucht, die veranschaulichen, wo die Reise hingeht: der "Energiewald" (hier werden schnell wachsende Bäume angebaut, deren Holz später als "Futter" für Holzhackschnitzel-Heizanlagen verwendet werden soll) und der "Klimawald", bei dem es darum geht, leistungsstarke Sauerstoffspender wachsen zu lassen. Christian Pfeifer: "Wir reduzieren den Nadelholzbestand – auch wegen der geringeren Standfestigkeit." Vor allem die sehr anfällige Fichte wird immer weiter verschwinden, während tiefer wurzelnde Kiefern oder Douglasien auch künftig noch vorkommen werden. Die Fichten – auch das sagt der Waldschadensbericht – sind am meisten geschädigt. Schädlinge wie verschiedene Borkenkäfer – besonders Buchdrucker und Kupferstecher – nisten sich in kranke Bäume ein. Später gehen sie auch auf gesunde Bäume über. Pfeifer: "Unser Glück ist, dass wir nicht viele Fichten haben."
Mit immer neuen Schädlingen haben es die Forstleute zu tun. Sie aufzuhalten, ist kaum möglich. So hat der Ulmensplindkäfer dafür gesorgt, dass es in Nordrhein-Westfalen kaum noch Ulmen gibt. Die Miniermotte befällt zunehmend Rosskastanien, und der Eichenprozessionsspinner ist auch für Menschen gefährlich. Längst arbeiten Förster im phytosanitärischen Dienst und untersuchen z.B. im Duisburger Binnenhafen aus dem Ausland angeliefertes Holz darauf, ob sich Schädlinge eingenistet haben oder nicht. Durch die Klimaveränderungen lauern immer neue Gefahren.
Die Leute wollen Brennholz
Ungebrochen ist bei Förster Christian Pfeifer die Nachfrage nach Brennholz. "Früher", so erzählt er, "kam ein Lkw und hat minderwertiges Holz für das Spanplattenwerk in Homberg am Rhein abgeholt. Aber das produziert nicht mehr. Jetzt habe ich hunderte kleiner Einzelbestellungen von Privatleuten."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum
