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Rheinberg: Ohne Biomasse geht's nicht

VON RAINER KAUSSEN - zuletzt aktualisiert: 01.02.2012

Rheinberg (RP). Rheinbergs Grüne organisierten Podiumsdiskussion am Beispiel Ossenberg: "Energiewende und Großindustrie – wie geht das zusammen?" Fazit der Experten: Das Konzept stimmt, aber man muss es im Blick halten.

Oliver Krischer, Sprecher für Energie- und Ressourceneffizienz in der Grünen-Bundestagsfraktion, machte den Rheinberger Parteikollegen ein dickes Kompliment: "Sie trauen sich an die schwierigste Frage der Energiewende." Damit meinte der Gast aus Berlin die Überschrift der Podiumsdiskussion im Ossenberger Sportlertreff: "Energiewende und Großindustrie – wie geht das zusammen?"

Die größte Herausforderung

Jürgen Bartsch, der die Diskussion leitete, zeichnete für die Veranstalter den Diskussionszusammenhang auf: Natürlich begrüßten die Grünen die Energiewende mit dem Atomausstieg und der Abkehr von fossilen Energien. Aber der verstärkte Einsatz erneuerbarer Energien sei eine "Herausforderung an uns alle – besonders aber wohl auch für einen Energieverbraucher wie Solvay, dessen Energiekonsum so groß sei wie der von ganz Essen.  

Info

Energie aus Abfall

Hauptzweck der in Ossenberg geplanten Mühlenanlage ist die Produktion von Stärke und Eiweiß. Die wird z.B. bei der Herstellung von Pappe bzw. Dünger eingesetzt.

75 000 Tonnen aufbereitete Reststoffe gehen in die Biogasanlage. Die entstehende Energie reicht für umgerechnet 40 000 Haushalte.

Außerdem fällt Kleie an. Die wird als Abfall gepresst, im Solvay-Kraftwerk verbrannt und ersetzt dort 40 000 Tonnen Kohle.

Anfallendes CO2 wird in der Produktion genutzt.

Krischers Antwort auf die Eingangsfrage war im Fazit klar: "Das ist die größte Herausforderung, die auch weltweit zu managen ist." Denn was nutze letztlich die Energiewende, wenn man hierzulande auf die energieintensiven Industrieanlagen verzichte und die ins Ausland abwanderten. Krischer: "Auch energieintensive Anlagen müssen hier gehalten werden".

Und ohne Biomasse sei das nicht zu schaffen. Dem stimmte Ralf Bilke, Agrarreferent des BUND NRW und zweiter Referent in der Veranstaltung zu. Die Nutzung von Biomasse sei ein wichtiger Baustein im Gesamtmix der erneuerbaren Energien. Allerdings sei der landläufig als Biogas benannte Energieträger beileibe nicht immer tatsächlich "bio". Richtiger spreche man von Agrogas.

Und man müsse Fehlentwicklungen vorbeugen, wie sie andernorts bereits deutlich würden.  Nach den grundsätzlichen Betrachtungen der Thematik wurde natürlich auch die Mühlen- und Biogasanlage angesprochen, die Solvay und Soepenberg in Ossenberg planen, und die ganz zu Beginn des Abends von den Projektpartnern vorgestellt wurde.

Das Konzept fanden Oliver Krischer und Ralf Bilke sehr sinnvoll und energetisch gut. Gleichwohl müsse man ganz sicher die Anbausituation und die Transportkette der 300 000 Tonnen Energieweizens im Blick halten, die in Rheinberg eingesetzt werden sollen und auf bislang brachliegenden Ländereien in Osteuropa geerntet werden.

Solvay soll klar Stellung nehmen

Außerdem solle sich Solvay klar positionieren, was den Einsatz von Gentechnik angeht. Den Hinweis auf die Einhaltung geltender EU-Normen ließ BUND-Mann Bilke nur bedingt gelten: Die könnten geändert werden – mit einer Selbstverpflichtung könnten die Anlagenbetreiber deutlich weiter gehende Verpflichtungen eingehen.

Die Rheinberger Grünen wollen das an diesem Abend Gehörte in die Beratungen ihrer Fraktion einfließen lassen.

Quelle: RP/rl


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