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Rheinberg: Ohne Spaten graben

VON NICOLE MAIBUSCH - zuletzt aktualisiert: 26.08.2010

Rheinberg (RPO). Mittels Bodenradarmessung hat ein Geophysiker den Boden der evangelischen Kirche Orsoy gescannt. So will man wissenschaftlich Aufschlüsse darüber gewinnen, ob der Grund archäologisch wertvolle Funde birgt.

So funktioniert das Bodenradar: Geophysiker Christoph Grützner zieht das Radargerät, und der Student Tobias Rausch trägt den Computer zur Datenerfassung.  Foto: RPO
So funktioniert das Bodenradar: Geophysiker Christoph Grützner zieht das Radargerät, und der Student Tobias Rausch trägt den Computer zur Datenerfassung. Foto: RPO

"Eigentlich sind wir angetreten, um die Kirche ein bisschen trocken zu legen", meint Dombaumeister Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Deurer lakonisch. Mittlerweile aber sind die Baumaßnahmen an der evangelischen Kirche Orsoy ein archäologisches Abenteuer. Denn die Sanierung ist zu einer Spurensuche in der Vergangenheit geworden.

In die Tiefe

Gestern ging es in der Kirche in die Tiefe. Und das im wahrsten Wortsinn. Mit einem Bodenradar hat Diplom-Geophysiker Christoph Grützner vom Institut für Neotektonik und Georisiken an der RWTH Aachen den Grund der Kirche bis in etwa zwei Meter Tiefe gescannt. Rund 450 Quadratmeter. "Das Prinzip ist ähnlich eines Ultraschalls", erläutert der Fachmann: Radarwellen werden in den Untergrund gesendet. Die Wellen, die reflektiert werden, ergeben ein Muster, das Rückschlüsse auf das zulässt, was sich im Boden befindet. So entsteht am Ende eine detaillierte Schichtaufnahme des Bodens. "Wir spüren mit diesem Gerät alles auf, was einen Durchmesser von mindestens sieben Zentimetern hat", versichert der Geophysiker, der bereits in den Grund des Aachener Doms mit dem Radar vermessen hat.

Info

Technik aus den 70ern

Die Technik der Bodenradarmessung wurde bereits in den 1970er Jahren eingesetzt. Erst in den 1990er Jahren waren aber Computer in der Lage, die Daten korrekt zu verarbeiten.

Üblicherweise wird die Methode zur Baugrunduntersuchung eingesetzt, um zu erkennen, wo der Grundwasserspiegel liegt bzw. wo Leitungen liegen.

Nach dem Aachener Dom ist die ev. Kirche Orsoy die zweite Kirche, die auf diese Weise untersucht wird.

Für Pfarrer Uwe Klein und Dombaumeister Prof. Wolfgang Deurer ist die Bodenradarmessung ein wahrer Glücksfall. Eine einmalige Gelegenheit, dem Boden mit wissenschaftlich fundierten Methoden mögliche Geheimnisse zu entlocken.  In rund zwei Wochen wird die Auswertung der Messung vorliegen. Darauf sind in Orsoy alle gespannt. So ein bisschen, das gibt Pfarrer Klein offen und ehrlich zu, hoffe er auf eine kleine archäologische Sensation.

Geheimgang und Gebeine

Und das ist nicht ganz unbegründet. Immerhin hat man bei der Vertiefung des Innenraums neben einem Geheimgang auch zahlreiche Gebeine gefunden. "Außerdem kursiert in Orsoy immer noch das Gerücht, es gebe hier eine Krypta", erzählt Uwe Klein. Nach der Messdatenauswertung bleibt dann kein Raum mehr für Spekulationen.

Einer verfolgt die Kirchbausanierung übrigens mit ganz besonderem Interesse. Herman Blumenstengel, ehedem Pfarrer in der Gemeinde, hätte sich nie träumen lassen, die Kirche einmal nackt bis aufs Gemäuer zu sehen. "Während meiner Dienstzeit habe ich das Dach machen lassen müssen", erinnert sich Blumenstengel. Umso spannender sei die derzeitige Entwicklung.

Quelle: RP

 
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