Rheinberg: Pflastern statt pauken
VON UWE PLIEN - zuletzt aktualisiert: 24.06.2009Rheinberg (RPO). Mehr als 500 Schüler der Rheinberger Realschule haben sich gestern an der bundesweiten "Aktion Tagwerk" beteiligt. Was sie bei ihren Arbeitseinsätzen verdient haben, fließt in Hilfsprojekte für Jugendliche in Afrika.
Rheinberg / Alpen Daniel Ernst ist von den anderen Mitarbeitern der Kfz-Werkstatt WGS an der Moerser Straße in Rheinberg kaum zu unterscheiden. Arbeitsklamotten, dreckige Hände, immer in Bewegung. Dabei ist der 16-jährige Schüler der Realschule Rheinberg Praktikant für einen Tag und nicht etwas Auszubildender: Er machte gestern bei der "Aktion Tagwerk" mit. Schuften und Geld verdienen, um auf diesem Weg Projekte zu unterstützen, von denen Jugendliche in Afrika profitieren – das ist die Devise.
"Das ist was Sinnvolles"
"Ich unterstütze die Aktion Tagwerk gerne", erzählt Daniel Ernst. "Das ist was Sinnvolles." Der Neuntklässler war schon im letzten Jahr bei WGS und überlegt inzwischen, sich für eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker zu bewerben. Von 8 bis 17 Uhr hatte Daniel gestern gut zu tun: Reifen von Felgen trennen, Ölfässer als Kleinschrottbehälter herrichten, den Mechanikern bei der Arbeit Werkzeug und Material anreichen – Langeweile kommt da nicht auf.
1,3 Millionen Euro
Gestern war der Höhepunkt der Kampagne "Dein Tag für Afrika". 200 000 Schüler aus 765 Schulen engagierten sich für Gleichaltrige in Afrika.
Durch den freiwilligen Einsatz der Schüler rechnen die Organisatoren mit einer Gesamtsumme von rund 1,3 Millionen Euro.
In NRW machen rund 78 000 Schüler aus 247 Schulen mit.
WGS-Mitinhaber Dirk Witt ist zufrieden mit seinem Tagwerker: "Er macht das gut und ist motiviert." Der Kfz-Meister hat auch in den vergangenen Jahren Schüler für diesen Hilfstag bei sich aufgenommen. "Ich möchte diese Aktion unterstützen", erzählt der Unternehmer. Zehn Euro stiftet er für den Einsatz des Jugendlichen, "und wenn er gut arbeitet, bekommt er auch einen Zehner für sich".
Robin Heiming ging es gestern ähnlich wie Daniel. Pflastern statt pauken war bei ihm das Motto des Tages. Der 15-Jährige aus Menzelen-Ost, er besucht die achte Klasse der Realschule Rheinberg, hatte beim Garten- und Landschaftsbaubetrieb Baaken & Giesen in Bönning-Rill angeheuert. Schicht von 7 bis 16 Uhr. "Das war anstrengend, hat aber Spaß gemacht", sagte Robin. Und 64 Euro für die Tagwerk-Kasse – acht Euro pro Stunde – das ist doch auch nicht zu verachten.
Pflanzkübel aufsetzen
Mit Pflasterer Thomas Derksen war Robin auf einer Baustelle an der Katharina-Underberg-Straße in Millingen eingesetzt, wo rund 200 Quadratmeter Fläche gepflastert werden müssen. Pflanzkübel aufsetzen, Schotter fahren, Boden auffüllen – an Arbeit mangelte es nicht. Und vom Kollegen gibt es Lob: "Der Junge gibt richtig Gas. Der ist viel motivierter als andere Praktikanten", berichtete Derksen. "Vielleicht, weil er freiwillig kommt und nicht, weil er muss." Die Lehrerinnen Claudia Giesen-Reinartz und Ira Zeitschner haben die Aktion Tagwerk und einen gleichzeitig stattfindenden Sponsorenlauf der Jahrgangsstufen 5 und 6 durchgeführt. Sie waren voll des Lobes: "Wir gehen davon aus, dass allein die acht Klassen durch den Sponsorenlauf etwa 3000 Euro zusammenbekommen", so Giesen-Reinartz. "Zusammen mit der Aktion Tagwerk kommen wir auf 4500 bis 5000 Euro. Zum Vergleich: 2008 waren es 3600 Euro." Nicht alle der 505 Tagwerker waren in Betrieben, einige putzten auch die Autos der Lehrer.
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