Alpen: Realschüler schnuppern an der Werkbank
VON UWE PLIEN - zuletzt aktualisiert: 16.05.2008Alpen (RPO). Jan Mülheims lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Der 14-jährige Realschüler feilt vorsichtig an einem 130 mal 35 Millimeter kleinen Stahlaplättchen, das er in einen Schraubstock eingespannt hat. „Ich habe zuerst einen Halbkreis mit dem Zirkel aufgezeichnet und dann zunächst mit einer groben, später mit einer feinen Feile gearbeitet“, erzählt der junge Alpener. Auf der anderen Seite der Platte hat Jan ein rechteckiges Loch gefeilt, das an einer Seite abgeflacht ist.
Ein Flaschenöffner aus Metall
Norbert Finmans, Ausbildungsleiter für die gewerblichen Berufe bei Norgren in Alpen, sagt: „Das wird ein Flaschenöffner. Auf jeder Seite wird noch eine Aluminiumplatte aufgenietet.“ So wie Jan stellen sich auch die anderen Teilehmer des Wahlpflichtfachs Technik der Alpener Realschule dieser Aufgabe. „Schnupperkurs“ nennt sich der Ausflug der Realschüler in die Lehrwerkstatt des Unternehmens an der Bruckstraße.
Technik-Lehrerin Ursula Wintersohle von der Realschule erklärt die Hintergründe: „Im Fach Technik können wir mit Holz und bedingt auch mit Kunststoff in der Schule arbeiten. Aber mit Metall – das können wir nicht.“ Deshalb nutzt die Realschule die Ressourcen der Profis. Schließlich besteht die Lernpartnerschaft mit Norgren seit acht Jahren und soll genau zu solchen Synergieeffekten führen.
Weil auch Norgren nicht über unbegrenzt viele Arbeitsplätze verfügt, hat Ursula Wintersohle ihren Kurs aufgeteilt: am erstenTag neun, am zweiten Tag krempeln acht Schüler (darunter zwei Mädchen) die Ärmel hoch. Viele von ihnen sind erstaunt, dass es einen kompletten Arbeitstag dauert, bis ein einfaches Werkstück wie ein Flaschenöffner aus Metall fertig ist. Dadurch bekommen die Schüler Respekt vor den berufen in der Metallbranche und auch vor dem Produkt an sich. „Das ist zwar super anstrengend, macht aber echt Spaß“, beschreibt Jan Mülheims seine Erfahrungen.
Nicht nur praktisches Geschick
Wie seine Kurs-Kameraden weiß der 14-Jährige, dass es am Schraubstock nicht nur um praktisches Geschick geht. „Ich benote auch das Verhalten am Arbeitsplatz“, betont Ursula Wintersohle. „Denn ich möchte, dass die Schüler eine Rückmeldung bekommen.“
Durchweg empfinden die Teilnehmer des Kurses die Praxis-Erfahrung als gut und sinnvoll. Und am Ende haben sie sogar noch einen sichtbaren Beweis ihrer Schnupperarbeit in der Tasche. Denn die selbstgemachten Flaschenöffner dürfen sie behalten.
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