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Rheinberg: Reitsport: Hat Isabell Werth gedopt?

zuletzt aktualisiert: 24.06.2009 - 13:27

Entsetzen bei den Funktionären, Fassungslosigkeit im deutschen Sport und Ratlosigkeit im Lager von Isabell Werth: Die positive A-Probe bei Werths Pferd Whisper und die Suspendierung der fünfmaligen Dressur-Olympiasiegerin durch den Weltverband FEI haben im ohnehin krisengeschüttelten Reitsport ein neuerliches Beben ausgelöst.

 Foto: ddp, ddp
Foto: ddp, ddp

"Es ist furchtbar. Jetzt lassen erstmal alle die Flügel hängen", sagte Madeleine Winter-Schulze. Der Besitzerin von Whisper gehören zehn weitere Pferde, die von Werth geritten werden, darunter die vierbeinigen Stars Satchmo und Warum nicht. "Ich bin ihr nicht böse. Sie konnte nichts dazu. Es hatte einige Tage zuvor eine Behandlung gegeben, aber der Arzt hatte Grünes Licht für das Turnier in Wiesbaden gegeben", sagte Winter-Schulze dem Sport-Informations-Dienst (SID).

Werths zehn Jahre altes Nachwuchspferd Whisper war beim Pfingstturnier in Wiesbaden am 30. Mai per A-Probe positiv auf das Beruhigungsmittel Fluphenazin getestet worden, das auf der Doping-Liste der FEI steht. Der Weltverband will am Donnerstag nach einer Telefonkonferenz über die weitere Suspendierung entscheiden. Werth, die vom Schweizer Anwalt Ulf Walz vertreten wird, will die Öffnung der B-Probe beantragen.

"Das ist eine Katastrophe für den Pferdesport", meinte FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau und kündigte an: "Wir lassen uns aber von den schlechten Nachrichten nicht entmutigen und werden den eingeschlagenen Weg für einen fairen Pferdesport fortsetzen." Nach den Doping-Anschuldigungen der vergangenen Monate hat die FN auch auf Druck der TV-Partner und Sponsoren die Elite-Kader aufgelöst. Alle Reiter müssen sich ab dem 13. Juli einer unabhängigen Kommission stellen, um wieder in die Kader zurückzukehren.

Im deutschen Sport wurde die Nachricht mit Entsetzen aufgenommen. "Das ist extrem enttäuschend", sagte Generaldirektor Michael Vesper vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) dem Sport-Informations-Dienst (SID): "Isabell Werth wird jetzt den Regeln des Verbandes unterworfen, die Reiterkommission wird sich damit beschäftigen. Jeder Doping-Fall ist katastrophal. Bei Vorbildern wie Werth ist man noch stärker betroffen."

Sollte Werth wegen Dopings verurteilt werden, droht ihr eine Sperre bis zu zwei Jahren. Zuletzt hatte der Internationale Sportgerichtshof CAS Springreiter Christian Ahlmann (Marl) wegen Dopings bei seinem Pferd Cöster während Olympia für acht Monate gesperrt. Auch gegen Springreiter Marco Kutscher (Hörstel) läuft bei der FEI ein Verfahren wegen unangemeldeter Medikation. Ludger Beerbaum (Riesenbeck) war nach seinen Aussagen über den Umgang mit Medikationen von der FN jüngst für den Nationenpreis gesperrt worden.

Die 39 Jahre alte Werth galt bislang als vorbildliche Athletin und hatte im vergangenen Sommer in Hongkong mit der deutschen Mannschaft ihr insgesamt fünftes Olympia-Gold gewonnen. Werth, die im kommenden Monat ihren 40. Geburtstag feiert, war sechsmal Welt- und zwölfmal Europameisterin. Bei den deutschen Meisterschaften vor zehn Tagen in Balve holte die Juristin den Titel im Grand Prix Special. Noch in Balve hatte sie der FN im Anti-Dopingkampf Aktionismus vorgeworfen und die Tatsache kritisiert, dass der Verband eine externe Kommission zur Anhörung aller Kaderreiter einsetzt.

Beim CHIO in Aachen, wo Werth in der kommenden Woche starten sollte, nahm man den Fall gefasst auf. "Wir begrüßen, dass Isabell Werth vom Weltverband FEI vorläufig suspendiert wurde", sagte der Sportliche Leiter Frank Kemperman. Geschäftsführer Michael Mronz von der Aachener Reitturnier GmbH lobte erneut die komplette Auflösung der Kader: "Der Pferdesport benötigt einen konsequenten Neuanfang."

Quelle: SID

 
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