Rheinberg: Scherf bringt Farbe ins Leben
VON SABINE HANNEMANN - zuletzt aktualisiert: 05.10.2007Rheinberg (RPO). Bremens früherer Bürgermeister war gestern zu Gast in Rheinberg. Sein Buch „Grau ist bunt“ ist Bestseller. Er plädiert für ein Miteinander der Generationen, um Isolation im Alter zu vermeiden.
Grünes Jackett, weißes Hemd, rote Krawatte – Henning Scherf lebt das, womit er seit geraumer Zeit die Menschen bewegt. „Bringen Sie Farbe in Ihr Leben“, sagt der ehemalige Bremer Bürgermeister und geht mit gutem Beispiel voran. Das nimmt man ihn ab. Spätestens dann, wenn Henning Scherf, Jahrgang 1938, dynamisch das Forum des Rheinberger Amplonius Gymnasium betritt und es sich nicht nehmen lässt, jeden Besucher per Handschlag zu begrüßen. Scherf setzt auf Kommunikation und öffnet damit Türen.
Jeden Besucher begrüßt
Dem Trübsinn über den demografischen Wandel hat er spätestes mit dem Erscheinen seines Buches „Grau ist bunt“ den Kampf angesagt und wehrt sich gegen „Paniker“ wie Frank Schirrmacher, der einen Krieg zwischen den jungen und den älter werdenden Generationen wittert. „Wir haben es besser als unsere vorherigen Generationen. Medizin, Ernährung und lange Friedensphasen machen es möglich“, so Scherf. A wie Alter oder Arthrose, Alzheimer und Altersdiabetes – diese Gleichung lässt er nicht zu. „Alter muss man gestalten, so wie man es gerne hätte. Es gibt Alternativen“, sagt selbstbewusst der zwei-Meter-lange Mann, der immer noch ein bisschen Bürgermeister ist, wenn er verspäteten Gästen entgegeneilt und sie in die ersten Reihen geleitet.
Politik gemacht
Henning Scherf war von 1995 bis 2005 Regierender Bürgermeister der Hansestadt Bremen.
Seit 1971 hat er Politik gemacht. 1988 zogen er und seine Frau mit Freunden zusammen, nachdem die drei Kinder eigene Wege gingen.
„Schließlich haben wir nicht unser Leben an den Nagel gehängt“, betont Scherf.
Eingeladen von AG 60 + und VHS Rheinberg, begrüßt von Dr. Jürgen Schmude, sorgt Henning Scherf am Nachmittag für Denkanstöße, macht Mut, das Alter als Lebenschance anzunehmen. Älter werden, das ist ein Glücksfall und ein Geschenk für die Gesellschaft. Scherf geht kritisch ins Gericht mit praktizierten Vorruhestandsregelungen. „Das hat sich heute schon geändert. Denn die Ruheständler werden in die Betriebe zurückgeholt. Kompetenz ist lebenslang.“
Antworten formulieren
Der Nachmittag vergeht trotz des „Riesenthemas“, wie Scherf es nennt, plaudernd. Er schafft es, die Alltagsgemütlichkeit der überwiegend silbernen Generation zu stören. „Ich kenne ihn aus dem Fernsehen. Er ist sehr sympathisch“, beschreibt Heidemarie Zoschke ihre Eindrücke. Das Thema Alter kommt an, wenngleich mancher sich der Konsequenz nicht stellen will. „Wir kommen in das Alter, wo es uns interessieren muss, wie wir im Alter wohnen wollen, wenn wir eigenständig leben wollen. Nicht immer lässt sich das allerdings finanzieren“, meint hingegen Ute Müller. Selbstbestimmt und gemeinsam im Alter, das ist die eigentliche Botschaft, die Henning Scherf im Gepäck hat. „Ich male nicht Schwarz in Schwarz. Wir müssen Antworten formulieren, die über die Generationen greifen“, fordert er.
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