Rheinberg: Schlüssel weg, Probleme weg
VON PLIENI UND HANNI - zuletzt aktualisiert: 12.02.2010Rheinberg (RPO). Die Zeiten sind hart für Bürgermeister wie Rheinbergs Jan-Thei Mennicken und Alpens Thommi Ahls – da fanden sie es gar nicht schlecht, die Macht an die Möhnen abzutreten. Ein Lage-Bericht von der Altweiber-Front.
Jetzt ist vier und wir sind hier! Um Punkt 16 Uhr standen sie vor dem Stadthaus. Unübersehbar, unüberhörbar. Obermöhne Martina mit ihren Weibern, die Rotjacken der Rhinberske Jonges mit Prinz Günter und seinen Adjutanten sowie Präsident Clemens Geßmann an der Spitze und dazu der Fanfarenzug Ossenberg. "Schau mir in die Augen", wurde gespielt und gesungen. Und jedes Trompetensignal, jeder Trommelschlag hatte eine eindeutige Botschaft. Die hieß: Wir wollen hier rein, und zwar schnell!" Denn draußen war es saukalt.
Jan-Thei, der rotperückte Oberboss, hatte mit dem Wetter kalkuliert. Der Frost könnte die Eindringlinge schwächen, dachte er. Von wegen! Angefeuert von Liedern wie "Mit Küsschen und mit Schmusilein" (gespielt von Wolfgang Pietzonka) kam es im Stadthaus-Foyer zum Äußersten: Das Bürgermeisterlein gab nach kurzem tête-à-tête mit Martina den Schlüssel ab, obwohl Menni gestand. "Er ist mir so ans Herz gewachsen! Aber bei all' den Problemen mit dem RAG-Beirat und den Schulen bin ich froh, wenn ich mal drei Tage Ruhe habe."
Nichts entgegen zu setzen
Alpens Boss Thommi Ahls konnte der Übermacht der Möhnen nichts entgegensetzen. Widerwillig gab er den Rathausschlüssel ab. "Selbst meine Verstärkung hat nichts genutzt", klagte Ahls, nachdem Obermöhne Inge Rosendahl heftig gegen die Rathaustür getrommelt und den Sturm auf die heiligen Amtsstuben eröffnet hatte. In Windeseile hatten die über 100 Möhnen das närrische Zepter übernommen und sorgten für gute Stimmung im Sitzungssaal. Die Möhnenschar, angeführt von Edda Bemong, hatte bereits Sparkasse und Volksbank eingenommen und meterweise Schlipse abgeschnitten. Danach holten sie zum finalen Schlag aus.
Ahls, im Bauarbeiteroutfit ständig auf der eigenen Dauerbaustelle Rathaus unterwegs, hatte mit seinen Mitarbeitern schon im Sitzungssaal zur närrischen Baustellenbesprechung eingeladen. Durch drei Fachbereiche hatten er sich mit den Mitarbeitern gearbeitet und die jeweiligen Orden wie Hammer-, Helm- und Klingersteinorden bekommen.
Bevor es mit den Möhnen ins Festzelt am Rathaus ging, gab es noch einen Satz heiße Musik mit der Band "Ma' so!, Ma' so!".
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