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Rheinberg: SchokoTicket als schwere Kost

VON RAINER KAUSSEN - zuletzt aktualisiert: 28.05.2011

Rheinberg (RPO). Lange Debatte im Schulausschuss über eine neue Fahrkarte für junge Leute. Verkehrsverbund preist umfassende Nutzungsmöglichkeiten, Eltern kritisieren Kostenbeteiligung. Politiker wünschen mehr Informationen.

So umfangreiche Debatten wie die über Für und Wider des SchokoTickets erlebt der Schulausschuss nur selten (RP v. 27. Mai). Über eineinhalb Stunden drehte sich alles um eine Fahrkarte für junge Leute, die nach Darstellung von VRR-Vertreter Wolf ein Publikumsliebling ist: "Wir hatten erwartet, rund 300 000 SchokoTickets zu verkaufen". Tatsächlich wurden rund 100 000 Tickets mehr abgesetzt.

Alles andere teurer

In einem Wortbeitrag quasi "vor der Klammer" erinnerte Wolfgang Fillers (CDU) an die Entwicklung des Schülerverkehrs in Rheinberg: Seit 1972 habe es 17 Buslinien speziell für den Weg zur Schule und zurückgegeben; 1994 sei dieser "Schülerspezialverkehr" in den Öffentlichen Nahverkehr integriert worden, um dessen Netz aus bis dahin drei Linien zu erweitern – es entstanden fünf weitere Buslinien, was für die Bürger der Stadt eine enorme Verbesserung war.

Info

Verwaltung soll prüfen

Ob und welche Alternativen es zum SchokoTicket gibt, soll die Rheinberger Verwaltung prüfen.

So lautet der Auftrag des Schulausschusses.

Das SchokoTicket werde allerdings vom VRR nur angeboten, wenn es einen Rahmenvertrag mit der Stadt gibt, hörten die Politiker.

Nun wird geprüft, ob es besondere Regelungen z.B. für Grundschüler geben kann.

Oder wie Fahrten zur Schule von Kindern abgerechnet werden können, deren Eltern das SchokoTicket nicht wollen, denen aber Fahrtkostenersatz zusteht.

Nun, durch das seit vielen Jahren gewünschte Zusammengehen der Verkehrsverbünde VGN und VRR, stehe die Einführung des SchokoTickets an. Wenn dessen Scheitern die Wiedereinführung des Schülerspezialverkehrs bedeuten würde, würde das alle Bürger der Stadt belasten.

Fillers wie auch Klaus Bechstein (SPD) und Sprecher der anderen Fraktionen hatten Verständnis für die Bedenken von Eltern, die sich mit der monatlich fälligen Zuzahlung fürs SchokoTicket nicht abfinden wollten, weil – so die Argumente der Kritiker – das schmale Nahverkehrsangebot vor allem in den Ortsteilen die angebotene Freizeitnutzung zur sinnlosen Option mache.

Aber alle von der Verwaltung genannten Alternativen zum SchokoTicket seien im Ergebnis deutlich teurer, so Bechstein. Grünen-Sprecher Heyde und Linken-Vertreter von Parzottka-Lipinski lobten das SchokoTicket als Meilenstein im Nahverkehr insgesamt – hätten aber gerne denkbare Alternativen gehört, durch die die Bedenken vielleicht ausgeräumt würden.

Herbert Becker (FDP) wertete das SchokoTicket bzw. den Zusammenschluss der Verbünde als große Chance für die Region, und den Elternanteil von umgerechnet 40 Cent pro Tag als akzeptabel angesichts der Möglichkeiten, die sich eröffneten – wenngleich nicht unbedingt direkt vor der Haustüre.

"Zwangsverheiratet"

Das überzeugte kritische Eltern im Zuhörerraum nicht. Das Nahverkehrsangebot stehe in keinem Verhältnis zu den Mehrkosten, die ihnen aufgebürdet würden durch ein neues Tarifsystem, mit dem sie quasi "zwangsverheiratet" werden sollten.

Statt des gesetzlich zugesicherten kostenlosen Transportes zur Schule wolle der VRR Eltern zur Erwirtschaftung von Mehreinnahmen zur Kasse bitten, ohne dass sie dafür zusätzliche Leistungen nutzen könnten. Das gelte insbesondere für Grundschüler, die das dünne Liniennetz in ihrer Freizeit sicher nicht nutzen

Quelle: RP

 
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