Rheinberg: Solider Rock’n’Roll und ein Finale mit Wooly Bully
VON UWE PLIEN - zuletzt aktualisiert: 15.01.2008Rheinberg (RPO). Es gehört schon Mut dazu, ein Konzert mit „Wooly Bully“ von Sam the Sham & the Pharaohs aus dem Jahre 1965 zu beenden. Weil nicht jeder Bluesrock-Fan den Witz eines solchen Kirmeszelt-Schlagers versteht.
Anders die treuen Anhänger der Pubrock-Legende „Nine Below Zero“. Sie feiern bei solchen Songs ebenso begeistert mit wie die Musiker auf der Bühne. Die Engländer Dennis Greaves (Gitarre, Gesang) und Mark Feltham (Gesang, Bluesharp) und die Nordiren Gerry McAvoy (Bass, Gesang) und Brendan O’Neill (Drums) – die ehemalige Rhythmus-Truppe von Rory Gallagher – haben offenbar nur noch ein Ziel: Jedes ihrer Konzerte soll eine große Party werden. Im Schwarzen Adler, wo die vor 30 Jahren gegründete Band am Sonntagabend vor vollem Haus und restlos begeistertem Publikum ein Drei-Stunden-Konzert gab, ging diese Rechnung auf. Die Herren in den besten Jahren boten solides Rock’n’Roll-Handwerk. Vor allem bei Bassmann Gerry McAvoy, der wegen seiner Autobiografie nach dem Konzert viele Autogramme schreiben musste, merkte man die schlafwandlerische Sicherheit, mit der er sich durch die Songs arbeitete. Ein perfekter Bassist für diese Musik. Rock’n’Roll-orientierte Gittarrensoli ohne Überlänge, spaßige Harpeinlagen, auch mehrstimmige Mitgrölpassagen und stramme Beats: „Das macht mehr Spaß als der beste ,Tatort’ im Fernsehen“, sagte ein Gast.
Neben Fremdmaterial wie „On the road again“ (Canned Heat) oder „Walking by myself“ (Albert King) streute das Quartett eigene Songs ein. Manche wirklich prima im Sixties-Rock-Gewand, anderes sehr zerfasert und durch zu viele Tempowechsel ohne jedes Sexappeal. Was Nine Below Zero im Adler ausmachte, war ihre unbändige Spielfreude. Da ließ man sich gerne anstecken und johlte am Ende auch bei „Wooly Bully“ mit.
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