Rheinberg: Von der Seele geschrieben
VON CORNELIA KRSAK - zuletzt aktualisiert: 10.07.2007Rheinberg (RPO). „Über meine Kräfte“ hat Gisa Ellmer ihr Buch genannt, in dem sie über ihre Erfahrungen berichtet aus der Zeit, als sie die Pflege ihrer an Altersdemenz erkrankten Mutter übernommen hatte.
Schreiben kann helfen, Erlebnisse zu verarbeiten. Für Gisa Ellmer war es ein wichtiges Ventil in einer sehr schwierigen Zeit. Als ihre 85-jährige Mutter 1998 an Altersdemenz erkrankte, übernahm die Tochter die häusliche Pflege. Doch mit dem Fortschreiten der Krankheit wurde die Belastung so groß, dass Gisa Ellmer unter dem Druck zu zerbrechen drohte. „Irgendwann ging es über meine Kräfte“, sagt Ellmer.
„Über meine Kräfte“ heißt auch das Buch, in dem die Rheinbergerin über ihre Erfahrungen berichtet. „Ich möchte anderen Menschen, die dasselbe durchmachen, zeigen, dass sie nicht alleine sind“, erklärt die Autorin ihre Motivation. Das Schreiben sei für sie wie eine Befreiung gewesen. „Ich habe mir den ganzen Kummer von der Seele geschrieben“, so Ellmer.
Im Buchhandel
Das Buch von Gisa Ellmer mit dem Titel „Über meine Kräfte“ ist im Mai 2007 bei Books on Demand erschienen.
Es kann über den Buchhandel bestellt werden.
In der Buchhandlung Schiffer in Rheinberg sind einige Exemplare vorrätig sowie in der Buchhandlung Spaethe, Moers.
Das Taschenbuch kostet 12,90 Euro.
Auf meine Hilfe angewiesen
In ihrem Buch schildert sie in einzelnen Episoden den langsamen Verfall der geliebten Mutter, die immer schwieriger werdende häusliche Pflege und den unendlichen inneren Konflikt bei der Entscheidung für ein Altenpflegeheim. „Man muss kein schlechtes Gewissen haben, wenn man feststellt, dass man überfordert ist“, sagt Ellmer.
Bis zu dieser Erkenntnis war es ein langer Weg, denn natürlich hätte sie ihre Mutter lieber bei sich zu Hause behalten. Die ersten Anzeichen der Demenzerkrankung waren noch relativ harmlos. „Meine Mutter hat zum Beispiel den Knopf nicht mehr gefunden, um den Fernseher auszuschalten. Am Anfang habe ich gedacht, so etwas gibt es gar nicht“, berichtet Ellmer. Später wurde es dann so schlimm, dass sie ihre Mutter rund um die Uhr beobachten musste. „Einmal hat sie den Ofen angelassen. Danach hatten mein Mann und ich Angst, dass uns das Haus abfackelt“, erzählt die 67-Jährige. Das Ehepaar konnte nur noch abwechselnd das Haus verlassen. Der morgendliche Pflegedienst sorgte nur für kurzzeitige Entlastung. Der psychische Stress war für Mutter und Tochter gleichermaßen groß. „Meine Mutter war immer eine sehr agile und dominante Frau. Jetzt war sie plötzlich auf meine Hilfe angewiesen. Das ist uns beiden sehr schwer gefallen“, sagt Ellmer. Ihren Beruf als Buchhalterin hat sie aufgegeben, um ganz für ihre Mutter dazusein. Als die Situation unerträglich wurde, entschied sie sich schweren Herzens für ein Pflegeheim. „Dort konnte ich sie jeden Tag besuchen. Sonntags haben wir sie zu uns nach Hause geholt. Sie hat es geliebt, im Garten zu sitzen“, berichtet die Tochter. Nach dem Tod der Mutter im Jahr 2002 vergingen drei Jahre, bis Gisa Ellmer ihre alten Notizen wieder hervorholte und auf die Idee kam, ein Buch daraus zu machen.
Die richtige Entscheidung
„Ich habe festgestellt, dass es viele Menschen gibt, die Angehörige pflegen. Sie werden in meinem Buch viele Episoden wiederfinden“, ist sich die Autorin sicher. Ihr Erfahrungsbericht soll anderen Mut machen und helfen, in einem Gewissenskonflikt die richtige Entscheidung zu treffen.
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