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Rheinberg: Wie mit Pampers heizen

VON RAINER KAUSSEN - zuletzt aktualisiert: 13.01.2009

Rheinberg (RPO). Das St.-Josef-Krankenhaus plant in Rheinberg eine neue Pflegeeinrichtung für alt gewordene Menschen mit Beeinträchtigungen. Geohumus macht aus der Erde unter dem Neubau einen großen Speicher für natürliche Wärme.

Am meisten lässt sich durch die Energie sparen, die man erst gar nicht verbraucht. Deshalb will die St. Josef Krankenhausgesellschaft ihre neue stationäre Altenpflegeeinrichtung auf dem Gelände des ehemaligen St. Nikolaus-Krankenhauses in Rheinberg als Null-Energie-Haus bauen. „Wir planen nach den Passivhausstandards“, beschrieb gestern Klaus Armonies, Technischer Direktor des Krankenhauses. Das bedeutet, dass das Gebäude zu einem wesentlichen Teil mit passiven Energiequellen zu beheizen ist. Also durch Sonneneinstrahlung, die Körpertemperatur der Menschen, die im neuen Haus leben werden; sogar durch die Abwärme. Was bleibt, ist ein geringer Restwärmebedarf – nur noch ein Bruchteil dessen, was in konventioneller Bauweise nötig wäre.

Info

Effizienz belegen

Der Neubau einer stationären Altenpflegeeinrichtung nach Passivstandard findet bereits großes Interesse.

Das Fraunhofer-Institut hat Interesse angemeldet, das Projekt durch ein erweitertes Monitoring zu begleiten.

Auch zur Uni Duisburg-Essen gibt es Kontakte.

Die Bauherren sind sehr daran interessiert, die Effizienz des Konzeptes wissenschaftlich untermauert zu belegen.

Solarkollektoren

Der Clou des Heizkonzeptes für Rheinberg wird unter der Bodenplatte des Neubaus verschwinden, der am südöstlichen Grundstücksrand nahe dem Extra-Markt entstehen soll: Dort entsteht ein Erdkollektor, in den die per Solarkollektoren eingefangene sommerliche Überschusswärme geleitet wird.

Um möglichst viel Wärme speichern zu können, wird dem Erdreich Geohumus beigemischt. Das Material wurde entwickelt, um Wüstenregionen wieder in fruchtbares Land umzuwandeln bzw. zurück zu gewinnen. Es ist saugfähig wie Pampers und kann das 30-fache seines Volumens an Wasser aufnehmen. „Aufgrund dieser extrem großer Speicherfähigkeit ist Geohumus aber auch hervorragend als Wärmespeicher geeignet“, erläuterte Klaus Armonies. Diese Eigenschaften ermöglichten es erstmals zu vertretbaren Kosten, einen großen Teil der Sommerwärme so lange aufzuheben, bis bis sie im Winter für die Heizung gebraucht wird. Mit einer Wärmepumpe kann sie angezapft werden.

4,4 Millionen Euro

Durch die Ausrichtung nach dem Passivhausstandard wird das Haus deutlich teurer als ein konventionell geplantes. Architekt Karlheinz Schlapeit: Die Dämmung werde viel stärker. hinzu komme die Speichertechnik – dadurch steigt die Investitionssumme um eine Million auf 4,4 Millionen Euro.

Auf der anderen Seite biete das Passivhaus ein Maximum an Wohnkomfort und Sicherheit, so Planer Jörg Linnig. In der Tat: Frieren muss niemand, auch wenn der Gashahn mal abgedreht ist. Und explodierende Energiekosten sind für die Betreiber des Hauses auch kein Thema mehr. Armonies: „Bei den heutigen Preisen rechnet sich der Mehraufwand in 30 Jahren.“ Bei höheren Preisen entsprechend früher.

Quelle: RP

 
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