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Wesel: 26 Marathonstrecken im Jahr

VON JONAS FALK - zuletzt aktualisiert: 06.10.2007

Wesel (RPO). Postbotin Agnes Lastring trägt seit 25 Jahren Briefe aus. Sie ist eine der Letzten mit „Fußbezirk“ und täglich im Herzen der Weseler Altstadt unterwegs.

Jacko bekommt von Agnes Lastring keinen Brief, sondern Leckerli. An sechs Tagen pro Woche ist die Zustellerin von der Post in ihrem Innenstadt-Bezirk unterwegs.  Foto: RPO
Jacko bekommt von Agnes Lastring keinen Brief, sondern Leckerli. An sechs Tagen pro Woche ist die Zustellerin von der Post in ihrem Innenstadt-Bezirk unterwegs. Foto: RPO

Briefträgerin Agnes Lastring, seit 25 Jahren bei der Post, ist fit und selbstbewusst. „Fünf Kilometer laufe ich täglich locker“, sagt die 57-Jährige. Unter deutschlandweit 80 000 Postboten und 42 Kollegen im Einzugsbereich der Weseler Hauptpost nimmt sie eine Sonderstellung ein. Denn sie trägt die Post per pedes aus.

In Wesel gibt es nur noch zwei „klassische“ Briefträger. „Ich bin sozusagen die letzte Mohikanerin“, sagt die langjährige Stammzustellerin des Gebietes zwischen Schmidtstraße und Kornmarkt. Am fußläufigen Personal will Betriebsleiterin Jutta Trapkowski übrigens festhalten. „In der engen Innenstadt ist die Arbeit zu Fuß immer noch am sinnvollsten“, sagt sie.

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Und täglich grüßt . . .

Um Viertel vor fünf steht Agnes Lastring auf. Nach der Anreise aus Rees beginnt die Arbeit um 5.30 Uhr. Die Runde startet nach der Bezirksvorbereitung gegen 9 Uhr.

Nach dem Gebiet Schmidtstraße grast sie die Goldstraße ab. Um 10 Uhr ist der Große Markt erreicht, es folgen die Lomberstraße und die Runde um den Kornmarkt. Fertig ist sie etwa um 12 Uhr.

Dieses Pensum steht an sechs Wochentagen auf dem Programm.

„Immer mehr Stress“

Im vergangenen Jahrzehnt hat Lastring in der Summe mehr als eine Erdumrundung absolviert. Für einen Postboten mit „Fußbezirk“ ist das nichts Ungewöhnliches, durchschnittlich werden im Jahr etwa 26 Marathonstrecken zurückgelegt. Spezielle Laufschuhe auf dem neuesten Stand der Technik trägt die „Berufssportlerin“ indes nicht. „Normale, bequeme Latschen“, sagt die in klassischem Blau-Gelb Uniformierte.

Wer den verantwortungsvollen Beruf abseits der immensen Laufleistung für einen Morgenspaziergang mit Gartenzaun-Gesprächen hält, ist allerdings falsch frankiert. Der Dienst beginnt für die Postbotin an sechs Arbeitstagen pro Woche schon um 5.30 Uhr mit dem Sortieren der nachts per Lkw angelieferten Post. Drei Stunden später geht es dann mit dem prall gefüllten Postkarren raus auf die Runde. „Nach all den Jahren müsste er die Strecke schon alleine fahren können“, scherzt Lastring. Im Laufe ihres Berufslebens seien Stress und Anforderungen immer weiter gestiegen – durch Mitarbeiterentlassungen und mehr private Konkurrenz in der Branche. „Die Reklame nimmt auch immer mehr zu. Berge von Werbung, der helle Wahnsinn!“

Preußische Arbeitsmoral

Obwohl der Job anstrengend ist und je nach Jahreszeit unangenehm werden kann, ist die Jubilarin mit Herzblut bei der Sache. Zögern bei Glatteis? „Nie.“ Bei Regen? „Nie. Briefe abdecken und los.“ Mittagessen? „Nie. Pause kann ich machen, wenn ich fertig bin.“

Diese preußische Arbeitsmoral ist auch durch den Anspruch des Unternehmens zu begründen: Pünktlichlichkeit. Freundlichkeit. Zuverlässigkeit. Die Postbotin selbst schätzt vor allem den Kontakt zu den Menschen. „Früher warteten die Leute noch auf den Postboten, um zu plauschen. Das ist zwar weniger geworden, aber die Zeit nehme ich mir hier und da noch gerne“, erzählt sie.

Noch nie gebissen worden

Einem uralten und immer noch populären Klischee zum Trotz freut sich einer besonders auf das eingesungene „Haaallooo, Po-host!“ am frühen Morgen: Der Hund Jacko bekommt keinen Brief, sondern Leckerli. „Ich wurde während meiner Laufbahn noch nie gebissen“,sagt Lastring lachend.

Quelle: RP

 
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