Wesel: 260 Kinder sangen „Tschüss“
VON MARTHA AGETHEN - zuletzt aktualisiert: 01.02.2008Wesel (RPO). Schule ist aus: Hanne Eckhardt wurde gestern am Mühlenweg verabschiedet, am Berufskolleg Wesel der Vize-Chef Volker Hülk. Zeit für ihre Leidenschaften: Die SPD-Ratsfrau macht mehr Politik, er geht nach Potsdam.
„Nun tschüss, du alter Stundenplan!“ sangen 260 Mühlenweg-Schüler fröhlich winkend für ihre Lehrerin Hanne Eckhardt, die nach 41 Dienstjahren gestern im rappelvollen Schultreppenhaus die Abschiedsurkunde entgegen nahm. Strahlend ließ sich die 63-Jährige so manche liebevolle Umarmung ihrer Schützlinge gefallen. Rektor Dr. Klaus Weinrich bedankte sich für die gute schulische Arbeit.
„Begeisterter Wandervogel“
Dort unterrichtete sie seit 1989. Zuvor arbeitete die gebürtige Straelenerin, die in Aachen, Bonn und Essen studiert hatte, an mehreren Schulen der Region (siehe Info). Schüler und Lehrer hatten fleißig getextet, um Eckhardt den Abschied zu versüßen. Mit einem Blumenstrauß überbrachte das ersste Schuljahr gute Wünsche wie „der Stadt Rat geben“ oder „den Wohnwagen aktivieren“. Eckhardt zog es nämlich stets in den Ferien in die Ferne, vor allem nach Frankreich.
So erfreuten die Viertklässler sie auf Französisch mit „Au clair de la lune“ und servierten dazu ein Flötenständchen. Singende Drittklässler zeigten ihre ersten Englisch-Erfolge. Ein flotter Rap und das Schullied „Gerolstein“ rundeten das Programm ab. Eine Freude für Eckhardt, die nicht nur in ihrer Freizeit gern musiziert und im Chor singt, sondern auch zahllose vierte Klassen nach Gerolstein begleitete. „Frau Eckhardt war ja ein begeisterter Wandervogel“, erinnerte Weinrich. „Abends waren dann immer alle müde.“ Gut für die Lehrer! Eckhardt hielt für alle Kinder eine karnevalistische Überraschung in Form einer roten Knollnase bereit. Schließlich war gestern Weiberfastnacht. Auch wenn es sie zunächst zum „Chillen“ ins sonnige Portugal zieht, beginnt nun eher ein „Unruhestand“. Ihre politische Verantwortung als SPD und Awo-Ortsvereins-Vorsitzende will sie weiterhin tragen. Auch der Kontakt zur Schule soll nicht enden: „Wir Kollegen hatten ein sehr gutes Verhältnis zueinander.“ Die Kinder werden ihr fehlen, doch: „Der Punkt ist erreicht, wo es genug ist.“ Und wie war das mit der Strenge? „Die muss manchmal sein.“ Vom Drill ihrer ersten Jahre hielt sie zwar nicht so viel. Andererseits wünscht sie sich, dass zu Hause mehr erzogen wird.
„Ohne Disziplin kann man von der Schule nicht erwarten, dass sie aus Kindern lauter kleine Einsteins macht.“ Eckhardts letzter Tag endete mit einem gemütlichen Ausstand im Kreise der Kollegen und Eltern.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum




