Wesel: 30 Kühe bei Brand verendet
VON KLAUS NIKOLEI - zuletzt aktualisiert: 15.07.2010Wesel (RPO). Weil sich noch feuchtes Heu in einem Stall an der Straße Jöckern selbst entzündet hat, brannte gestern früh in Bislich ein Kuhstall aus. 58 Wehrleute waren im Einsatz. Ein Jäger und ein Polizist erschossen fünf schwerst verletzte Tiere.
Ein lauter Knall reißt den Bislicher Landwirt Gerhard Hütten gestern Nacht gegen 3 Uhr aus dem Schlaf. Er spürt sofort, dass Schlimmes passiert sein muss. Der gut 120 Quadratmeter große Kuhstall seines Betriebs am Brüggenhofsee steht in Flammen. Der Knall rührt von brennenden Faserzementplatten, mit denen das Gebäude verkleidet ist und die in der Flammenhitze zerspringen.
Von ihren Qualen befreit
Gerhard Hütten alarmiert die Feuerwehr und schafft es gerade noch, eine Kuh, die vor kurzem erst per Kaiserschnitt ein Kalb geboren hat, zu retten. Obwohl die per Sirene alarmierten Kräfte der Freiwillige Feuerwehr Bislich schnell zur Stelle sind und wenig später auch die Löschzüge Hauptwache und Stadtmitte mit insgesamt 58 Mann auf dem Hof eintreffen, kommt für 30 Milchkühe jede Hilfe zu spät. Die meisten Tiere ersticken in dem Qualm.
Sirenenalarm
Die 58 Einsatzkräfte der drei Löschzüge Bislich, Hauptwache und Stadtmitte, wurden um kurz nach 3 Uhr alarmiert – in Bislich per Sirene.
Insgesamt zehn Fahrzeuge waren an dem nächtlichen Einsatz beteiligt.
Vier durch das Feuer schwerstverletzte Tiere werden von einem eilig herbeigerufenen Jäger aus der Nachbarschaft von ihren Qualen befreit. Eine weitere Kuh wird auf Bitten des Bauern von einem Polizeibeamten mit der Dienstwaffe erschossen. Den Bullen des landwirtschaftlichen Betriebes und einer Handvoll Kühe ist nichts passiert. Auch wird niemand der Einsatzkräfte verletzt. Lediglich Gerhard Hütten muss sich, weil er bei der Rettungsaktion seiner Tiere gestürzt ist, in einem Weseler Krankenhaus ambulant behandeln lassen. Den Sachschaden schätzt die Polizei auf gut 100 000 Euro.
Alle sind tief traurig
Bis in die Mittagsstunden ist die Feuerwehr noch mit einem guten Dutzend Einsatzkräften vor Ort, um mit schwerem Gerät das Heu auseinanderzuziehen, in dem sich vereinzelte Glutnester befinden. Außerdem ziehen sie mit Seilwinden und einem Radlader die Tierkadaver aus dem verkohlten Stall. Per Spezialcontainer werden die toten Kühe in eine Tierkörperbeseitigungsanstalt gebracht. Alle Familienmitglieder auf dem idyllisch gelegenen Hof an der Straße Jöckern sind tief traurig. Niemand sagt etwas. Auf die mögliche Brandursache angesprochen, sagt Wesels Feuerwehrchef Robert Meyboom: "Ich möchte der Polizei nicht vorgreifen: Aber es scheint so, als habe sich das nicht ganz trockene Heu von selbst entzündet. Das passiert schon mal", so der Experte. Am Nachmittag bestätigt die Polizei die Vermutung des Bislichers. "Bei der Untersuchung der Brandursache haben Kriminalbeamte festgestellt, dass eine Selbstentzündung von Heu ursächlich für das Feuer war", heißt es in einer abschließenden Presseerklärung.
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