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Wesel: 80 000 lagen auf blankem Acker

VON FRITZ SCHUBERT - zuletzt aktualisiert: 23.08.2010

Wesel (RPO). Vor 65 Jahren regierte die Not im Kriegsgefangenenlager Büderich. Vor 45 Jahren wurde zum Gedenken ein Mahnmal eingeweiht. Die Anlage im Meerfeld ist würdig, aber kaum zu finden. Hinweisschilder gibt es nicht.

Schlicht und würdig, aber kaum zu finden: Das vor 45 Jahren eingeweihte Mahnmal steht an der Straße In de Meer.  Foto: RPO
Schlicht und würdig, aber kaum zu finden: Das vor 45 Jahren eingeweihte Mahnmal steht an der Straße In de Meer. Foto: RPO

Im Meerfeld zwischen Büderich und den Solvay-Anlagen an der B 58 herrscht heute – vom Streit um Windräder einmal abgesehen – Ruhe und Frieden. Vor 65 Jahren sah das hier ganz anders aus. Der Zweite Weltkrieg war zwar vorbei. Doch ging der Kampf ums Überleben unter anderen Vorzeichen weiter. Auf blankem Acker spielten sich unbeschreibliche Szenen ab. Das Meerfeld war von den US-Amerikanern mit primitivsten Mitteln zu einem Kriegsgefangenenlager umfunktioniert worden. 80 000 deutsche Soldaten vegetierten über Wochen ohne ein Dach über dem Kopf auf freiem Feld hinter Stacheldraht dahin. Zum Gedenken an dieses Geschehen steht ein Mahnmal im Meerfeld. Dessen Einweihung jährt sich am Donnerstag, 26. August, zum 45. Mal.

In der Heimat hinter Stacheldraht

Es ist eine schlichte, würdige Anlage mit einem Hochkreuz, die an die wenigen, aber schrecklichen Lagerwochen erinnert. Dennoch kennen es heute nur noch wenige. Das mag, wie Willi Scholten beklagt, daran liegen, dass man es kaum finden kann. Hinweisschilder gibt es nicht. Engagierte Büdericher wie Scholten oder Hermann Norff haben die Geschichte des Lagers nachgezeichnet. Andere haben selbst darin gesessen. Karl van Husen war 19, als er an der Elbe in US-amerikanische Gefangenschaft geriet. Ausgerechnet am Rand seines Heimatdorfes kam er hinter Stacheldraht.

Karl van Husen (84) ist einer der letzten Zeitzeugen. Mit einem Abstand von 65 Jahren blickt der damalige Soldat vergleichsweise gelassen auf jene vier Wochen vom 2. Mai bis zum 2. Juni 1945 zurück, die er auf dem Feld gelegen hat. Wie er selber sagt, hatte er es wohl seiner Jugend zu verdanken, dass er die Zeit gut überstanden hat. "Wer in schlechter Verfassung war, hatte es schwerer", sagt der Büdericher. "Wir hatten einen verhältnismäßig warmen Mai. Wenn es geregnet hatte, mussten wir natürlich mit einer Konservendose unsere Erdlöcher ausschöpfen, um es wieder etwas trockener zu haben. So war das eben. Wir lagen in den Löchern und hatten Kohldampf." Karl van Husen meint, dass etwa 125 Kameraden das Lager Büderich nicht überlebt haben. Die Errichtung des Mahnmals geht auf eine Initiative von Josef Hackstein zurück. Der stellvertretende Bürgermeister stellte 1961 im Gemeinderat den Antrag und erntete Zustimmung. Am 26. August 1965 wurde die Anlage im Meerfeld in großem Rahmen eingeweiht. Etwa 300 ehemalige Lagerinsassen und Pater Christ waren dabei. Der sagte in seiner Ansprache: "Warum nun die Erinnerung an die damalige Zeit? Damit ein solches Chaos nie wieder eintritt! Heute muss man sich die Erfahrungen der Vergangenheit zunutze machen."

Quelle: RP

 
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