Wesel: Ärger: Sprachtest-Infos fehlen
VON KLAUS NIKOLEI - zuletzt aktualisiert: 14.02.2007Wesel (RPO). Mit dem neuartigen Test-Spiel „Delfin 4 “ wird ab Mitte März kreisweit die Sprachfähigkeit von 3600 Vierjährigen getestet. Erzieherinnen und Lehrer beklagen im Vorfeld des Tests mangelhafte Informationspolitik.
WESEL / HAMMinkeln Bereits Mitte nächsten Monats sollen landesweit Erzieherinnen und Grundschullehrer mit Hilfe des von der Uni Dortmund entwickelten Brettspiels „Delfin 4“ die Sprachfähigkeit aller Vierjährigen testen. Doch obwohl diese Sprachstandserhebung bereits in vier Wochen in allen Kindergärten und -tagesstätten beginnen soll, gibt es bislang kaum Informationen über das Testverfahren. „Ehrlich gesagt, fühlen wir uns allein gelassen. Weder vom Kreis noch vom Landschaftsverband, der für uns zuständig ist, gibt es irgendwelche Detailinformationen“, beklagt Annette Mölleken, Leiterin der Evangelischen Kindertagesstätte in Hamminkeln. Allein durch die Medien, so sagt sie, wisse man in etwa, was passieren soll.
Bedarf ist groß
180 000 Vierjährige werden ab Mitte März in 9700 Kindergärten landesweit auf ihre sprachlichen Fähigkeiten hin überprüft.
Das Schulministerium geht davon aus, dass jedes vierte Kind Förderbedarf hat.
Der Test besteht aus dem Brettspiel „Delfin 4“ (steht für: „Diagnostik, Elternarbeit und Förderung der Sprachkompetenz Vierjähriger“), das Experten der Uni Dortmund entwickelt haben.
Zu wenig verbale Kommunikation in den Familien – quer durch alle Bevölkerungsschichten – ist für sie ein Grund dafür, warum immer mehr Kinder sprachliche Defizite aufweisen. Das jetzt vom Schulministerium eingestielte Testverfahren hält sie persönlich nur bedingt geeignet, das Problem zu lösen. „Weil es nur punktuell um die Sprache geht. Dabei muss man ein Kind ganzheitlich sehen. Es müsste auch verstärkt die Motorik und die Wahrnehmung gefördert werden. Doch dazu benötigt man Zeit, die wir aufgrund der großen Gruppen und zu kleine Personalschlüssel nicht haben.“
„Fühlen uns allein gelassen“
Auch in der Kindertagesstätte Sonnenblumenhaus des Deutschen Kinderschutzbundes in Wesel-Feldmark hat man sämtliche Informationen zur Sprachstandserhebung der Vierjährigen aus der Zeitung. „Wir hoffen, dass wir bis zum Elternabend am 6. März, an dem die Leitungen der drei Feldmarker Kindergärten und der beiden Grundschulen teilnehmen, schon etwas mehr wissen“, sagt Nadja Große-Vehne, stellvertretende Leiterin im Sonnenblumenhaus. Zwar fühlt sie sich von den zuständigen Behörden „irgendwie allein gelassen“, doch weil Sprachförderung in ihrer Einrichtung alltägliches Geschäft ist, bleibt sie recht gelassen. Genauso wie Winfried Störmer, Leiter der benachbarten Grundschule am Holzweg. Obwohl auch er bislang nicht über Einzelheiten des Tests informiert wurde, rechnet er nicht mit übermäßigen Problemen. „Wir werden eine Kollegin in den angrenzenden Evangelischen Kindergarten abstellen, die dort mit den Erzieherinnen den Test durchführt, so dass nach zwei Tagen die Sache für uns erledigt sein wird.“ Dem Thema Sprachförderung steht er äußerst positiv gegenüber. Denn in seiner Schule erhalten seit Jahren 30 bis 40 Prozent aller angemeldeten Fünfjährigen dreimal pro Woche Förderunterricht. Gehalten werden die Stunden von einer Honorarkraft der Diakonie. „Im Vergleich zu früheren Jahren merkt man deutlich die Fortschritte der Kinder“, sagt Störmer.
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