Wesel: Altes Programm, neue Schärfe
VON TIMM HESSE - zuletzt aktualisiert: 16.02.2009Wesel (RPO). Volker Pispers: Deutschlands scharfsinnigster Politik-Kabarettist ist stets für ein rappelvolles Bühnenhaus gut. Unterhaltsam und gnadenlos zugleich präsentierte er sein Programm " . . . bis Neulich".
"Wer gegen Mindestlohn ist, ist ein Arschloch!", wirft der Kabarettist grinsend in das ausverkaufte Bühnenhaus. Er erntet donnernden Applaus. Mit bissigen Statements und provozierenden Vergleichen brachte am Freitag Kabarettist Volker Pispers das Publikum zum Toben. Mit der aktualisierten Fassung seines leicht in die Jahre gekommenen Best-of-Programms ". . . bis Neulich" tourt der politische Kabarettist derzeit.
Viele Texte waren eingefleischten Pispers-Fans bekannt, deren Zusammenstellung teils neu – und trotz des Alters einzelner Texte beeindruckend aktuell: Das seit Jahren andauernde Darben der Ärzte oder die süffisante Geschichte um Kanzlerin Angela Merkel, welche "in der von ihr produzierten warmen Luft ihre Allgemeinplätzchen aufwärmt". Aktuelles wie die Wirtschaftskrise oder das Ausscheiden des hölzernen Wirtschaftsminister Glos wurden nur am Rand thematisiert. Zwar geißelte der mehrfach ausgezeichnete Kabarettist das Verhalten von Ex-Post-Chef Zumwinkel oder – hart an der Pietätsgrenze – den Selbstmord des Medikamenten-Moguls Merckle. Im Fokus stand aber das schon auf CD erschienene Programm.
Ausverkauft: immer!
Wer Volker Pispers erleben will, muss sich schnell Karten sichern. Der Auftritt in Wesel war ebenso wie eine Woche vorher der in Rees lange ausverkauft.
In der Region ist Pispers am 21. August wieder zu sehen – Open Air im Dinslakener Burgtheater. Info: Tel. 02064 66222.
Meister des Wortes ohne Show
In unauffälliger, dunkler Kleidung am Stehtisch monologisiert Pispers mit Wortwitz, mit grotesken Querverwiesen, mit direkter Publikumsansprache. Der gebürtige Mönchengladbacher ist der deutsche Meister des gesprochenen Wortes ohne Show. Jeder Satz ist ein Pfeil mit größter Schärfe. In zielsicherer Rhetorik prangert er das irrsinnige Ausufern des deutschen Rechtssystems ebenso wie die Maßlosigkeit des "raffgierigen, asozialen Packs", den Spitzenmanagern, an. Das befreite Lachen des Kabarett-Konsumenten im Bühnenhaus kassiert er gerne wieder ein. "Wovor haben sie Angst?", fragt Pispers. Es sei Irrsinn, vor terroristischen Anschlägen Angst zu haben, womit Sicherheits-Politik gemacht werde. Gefährlicher seien Lkw-Fahrer – die "wahren Schläfer".
Wer einen Rundumschlag gegen alle Volksparteien erwartete, wurde enttäuscht. Ziel des härtesten Spotts waren Münte und seine SPD: "Die SPD betreibt Politik gegen die eigenen Wähler", sagt Pispers. Mit Abstand folgten Westerwelles scheinheilige FDP, die CDU und ihr "Kauder"-Welsch und die Grünen, die auch die Finanzmärkte befreiten. Die Linke und deren Kapitalismuscrash-Analyse fand Pispers richtig passend – das war schon eine ziemlich eindeutige Parteinahme. Zum Nachdenken brachte das allemal – und so soll politisches Kabarett schließlich auch sein.
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