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Hamminkeln: Amok: Die Nerven liegen blank

VON BERNFRIED PAUS UND SEBASTIAN LATZEL - zuletzt aktualisiert: 05.05.2009

Hamminkeln (RPO). Zwei ähnliche Ankündigungen von Amokläufen, zwei unterschiedliche Reaktionen: Während an der Realschule in Hamminkeln der Unterricht fast störungsfrei lief, war am Gymnasium in Rees nicht daran zu denken.

Polizei an der Schule: Während an der Realschule in Hamminkeln nach der Androhung eines Amoklaufes ganz normaler Unterricht lief, war am Gymnasium in Rees kein Unterricht möglich.   Foto: RPO
Polizei an der Schule: Während an der Realschule in Hamminkeln nach der Androhung eines Amoklaufes ganz normaler Unterricht lief, war am Gymnasium in Rees kein Unterricht möglich. Foto: RPO

Die Angst vor Amok-Läufen an Schulen sitzt tief nach den Dramen in Winnenden und Erfurt. Jetzt sorgten eine Drohung an der Heinrich-Meyers-Realschule in Hamminkeln und eine vergleichbare Ankündigung am Gymnasium in Rees für zwei völlige unterschiedliche Szenarien, die es aufzuarbeiten lohnt. "Ich laufe bald Swiss Armok" hatte in der Nacht zu Donnerstag, wie gestern die Polizei bestätigte, ein Unbekannter mit roter Farbe aus der Spraydose von außen auf ein Kellerfenster im Garten der Realschule gesprüht. Für die Polizei eine "Trittbrett-Aktion". Sie meldete lediglich eine Farbschmiererei. "Wir wollten keine übertriebenen Reaktionen auslösen", sagte gestern ein Polizeisprecher. In der Schule blieb alles ruhig, es fand ganz normaler Unterricht statt, so Rektor Manfred Niespor.

Info

Expertenrunde

Gestern hat im Düsseldorfer Schulministerium der Expertenkreis zur Vorbeugung von Amokläufen zum ersten Mal getagt.

Den hatte Schulministerin Barbara Sommer einberufen, um das Drama von Winnenden zu analysieren und um mögliche Konsequenzen zu ziehen.

Er führt die Gelassenheit im Umgang mit der rätselhaften Ankündigung auch auf die gezielte Beschäftigung mit bedrohlichen Lagen zurück. Die Schule habe schon seit längerem Notfallpläne, die mit Polizei und Feuerwehr abgestimmt seien und auch in der benachbarten Hauptschule und im Rathaus hinterlegt seien. "Die Szenarien stehen nicht nur auf dem Papier, sondern werden in der Schule auch trainiert", so Niespor.

Zweite Spur im Netz

In dem Fall seien alle davon ausgegangen, dass die Ankündigung ohne ernsthaften Hintergrund sei. Die Farbe ist inzwischen weggewischt. Das war's – fast. In der Mail-Box auf der Homepage der Schule habe jemand "so etwas wie Enttäuschung" darüber zum Ausdruck gebracht, dass die Drohgebärde fast unbemerkt verpufft sei. Jetzt ermittele die Staatsanwaltschaft den Absender des elektronischen Briefes. Gestern war dennoch Polizei an der Schule – sicherheitshalber.

Realschulrektor Manfred Niespor: "Wir trainieren für Notfälle." Foto: RPO

In Rees verbreitete sich am Sonntagabend wie ein Lauffeuer die Nachricht, dass unter einer Bank im Physik-Raum des Gymnasiums für gestern ein Amoklauf angedroht worden sei. Viele Eltern ließen daraufhin ihre Kinder zu Hause, andere, die erst am Morgen davon erfuhren, holten die Schüler am Schulzentrum ab. Nach der zweiten Stunde wurden alle nach Hause geschickt, weil Unterricht nicht mehr möglich war.

Der Schriftzug war am Donnerstag nach der sechten Stunde von Schülern entdeckt worden. Mit Bleistift hatte jemand ein verfremdetes Hakenkreuz und die Ankündigung eines Amoklaufs für den 4. Mai geschrieben, alles in großen Druckbuchstaben wie in Hamminkeln. Schulleiter Roman Claus verständigte die Polizei. Nach umfangreichen Untersuchungen schlossen die Ermittler eine ernsthafte Gefahr für die Schüler aus. In Absprache mit der Polizei verzichtete der Schulleiter auf eine Information der Eltern. Die Polizei sah sich gestern mit vier Beamten im Schulzentrum um. Beamte in Zivil mischten sich unter die Schüler.

Lesen Sie mehr zum Amoklauf von Winnenden in unserem Special.

Quelle: RP

 
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