Wesel: Anna Weinberg (16) fliegt jetzt für ein Jahr in die USA
VON KLAUS NIKOLEI - zuletzt aktualisiert: 03.08.2010Wesel (RPO). Anna Weinberg war 13, als sie zum ersten Mal dieses Gefühl von Fernweh in sich spürte. "Ich will die Welt sehen, andere Kulturen kennenlernen, tolle Städte besuchen", sagt die quirlige Weselerin, die jetzt an der Gesamtschule Am Lauerhaas die Mittlere Reife mit Qualifikation geschafft hat. Doch statt mit einigen anderen Klassenkameraden ab Ende August in die Oberstufe zu wechseln, wird sie eine Highschool besuchen.
Am Donnerstag fliegt die 16-Jährige vom Düsseldorfer Flughafen in Richtung USA. In der 7000-Seelen-Gemeinde Bellefonte im Bundesstaat Pennsylvania wird sie in einer Familie mit zwei sechs und neun Jahre alten Kindern leben.
Im Internet hat Anna Weinberg gegoogelt und sich Fotos von dem Ort in der hügeligen Region angesehen. "Ich freue mich sehr auf die zehneinhalb Monate dort", sagt das Mädchen und strahlt. Angst, dass sie dort keinen Anschluss bekommen könnte, hat sie jedenfalls nicht. "Keine Frage, das klappt schon." Einen Teil der Kosten für Flug und Unterkunft übernimmt die gemeinnützige Schüleraustausch-Organisation Youth For Understanding (Hamburg), die ihr ein Teilstipendium gegeben hat. "Denen ist es wichtig, dass man neben guten Noten auch sozial engagiert ist", sagt Anna Weinberg, die als Schulsanitäterin gearbeitet hat und am Patenprojekt mit den Fünftklässlern ihrer Schule beteiligt war.
Während Mutter Anja Weinberg, die in Wesel als Mitglied der Künstlergruppe Z 6 bekannt ist, vom Schüleraustausch-Projekt sofort begeistert war, musste sich Annas Vater, der Diplom-Ingenieur und Tischler Ralf Weinberg, erst einmal mit dem Gedanken vertraut machen, fast ein Jahr auf seine Tochter zu verzichten. "Doch nach anfänglichem Zögern ist auch er begeistert", sagt die 16-Jährige.
Auf die Frage, was sie auf jeden Fall während ihres USA-Aufenthaltes sehen und erleben will, sagt Anna: "Natürlich New York und Washington. Und dann möchte ich die amerikanische Kultur so kennenlernen, dass ich sie hinterher mit dem Leben in Deutschland gut vergleichen kann."
"Schwein" mit an Bord
Von ihrem neuen Leben in den USA wird Anna Weinberg exklusiv für die Rheinische Post in unregelmäßigen Abständen berichten. In den Reisekoffer der 16-Jährigen wird auf jeden Fall "Schwein" eingepackt. So heißt das rosa Stofftier, das die Mutter ihr geschenkt hat – als eine Art Talisman, der ihrer von Fernweh geplagten Tochter auf ihren Reisen Glück bringen soll.
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