Wesel: Asbestsanierung: Etat mächtig unter Druck
zuletzt aktualisiert: 23.06.2009Wesel (RPO). Nach der kürzlichen Erkenntnis eines neuen 3,9-Millionen-Defizits für 2009 wird es noch enger im städtischen Etat. Mit dem überraschenden Asbestfund im Frühjahr steht bekanntlich die Sanierung an – aus gesetzlichen Gründen, obwohl nur in einem Raum im Rathaus Asbestbelastung gemessen wurde. Gleichzeitig soll es an die Fassadenerneuerung gehen, Schimmelfunde und energetische Ziele sind der Anlass. Jetzt stehen Zahlen fest, die über Schätzungen hinausgehen. Klar wird nun: Asbestbeseitigung und energetische Sanierung der Rathausfassade drängen die Stadtfinanzen in die Ecke.
Wo kommen die Millionen her?
Schon die für nötig befundenen Sofortmaßnahmen, um Asbest-Gefahren von den Mitarbeitern abzuwenden, erreichen eine bemerkenswerte Höhe: 211 000 Euro. Auch im Centrum wurde gemessen. Bis auf zwei Büros in Stadtbücherei und VHS waren die Messungen ohne Befund. Wie die Ergebnisse genau sind, ist nicht bekannt
Im Rathaus wurde die Maschinerie offensichtlich gründlich angeworfen. Alle waagerechten Flächen sowie Beleuchtungen wurden grundgereinigt, der Reinigungsrhythmus der Büros ausgeweitet, Heizkörpernischen wurden in der vierten und sechsten Etage an der belasteten Westfassade entfernt und die Nischen ausgekleidet. Monatlich werden Staub- und Raumluftmessungen weiter geführt, bis Ergebnisse aus allen Büros vorliegen. So erklärt sich die namhafte sechsstellige Sofort-Summe.
Daraus wird nun ein ganz heftiges Millionen-Spiel, während der Etat in die Knie geht und ein mit belastbaren Zahlen versehenes Sparkonzept nicht verabschiedet ist. Hier die Zahlen, die heute im Rat behandelt werden:
Rathaus: Fassadensanierung: 6,3 Millionen, davon 1,4 Millionen Planungs- und Sachverständigenkosten. Asbestbedingt entstehen 2,2 Millionen Zusatzkosten.
Centrum: Sanierung: 1,4 Millionen, davon Planungskosten 265 000 Euro. Asbestbeseitigung kostet 490 000 Euro zusätzlich. Dazu kommen Kosten für Anstriche, Ersatz von Teppichböden usw.
Konjunkturpaket II: Daraus werden Infrastrukturkosten gefördert. Aktuell stehen der Stadt deshalbfür die Sanierung noch rund 1,5 Millionen zur Verfügung. Außerdem gibt es den geförderten Bereich Bildungsinfrastruktur. Daraus könnte der Sanierungsanteil für die VHS-Räume unterstützt werden, öffentliche Bibliotheken werden aus diesem Paket nicht bezahlt.
Der Rat hat schon im April ohne intensive weitere Untersuchung beschlossen, 2009 außerordentlich Mittel bereitzustellen. Weiter geht's finanziell (und damit bergab) 2010. Eine harte Finanzdebatte blieb bisher aus, keine Fraktion will es sich mit den Rathaus-Mitarbeitern (gleich Wähler) vor der Kommunalwahl verscherzen.
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