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Wesel: Attrappe bremst Raser

VON KLAUS NIKOLEI - zuletzt aktualisiert: 10.08.2010

Wesel (RPO). Auf der Straße Drögenkamp in Bislich gilt Tempo 50. Doch kaum einer hält sich dran. Um Raser zum Abbremsen zu bewegen, hat Familie Giesen in ihrem Vorgarten eine Starenkasten-Attrappe montiert. Und die zeigt Wirkung.

Sieht täuschend echt nach offizieller Tempo-Bremse aus, ist aber (legales) Showobjekt: Elke und Lars Giesen, hier mit Töchterchen Lara (22 Monate), haben sich lange genug über die vielen Raser auf der Straße Drögenkamp geärgert und eine Starenkasten-Attrappe in ihren Vorgarten gestellt.   Foto: RPO
Sieht täuschend echt nach offizieller Tempo-Bremse aus, ist aber (legales) Showobjekt: Elke und Lars Giesen, hier mit Töchterchen Lara (22 Monate), haben sich lange genug über die vielen Raser auf der Straße Drögenkamp geärgert und eine Starenkasten-Attrappe in ihren Vorgarten gestellt. Foto: RPO

Es war an Pfingsten. Eine Gruppe niederländischer Motorradfahrer raste mit "gefühltem Tempo 120" über die Straße Drögenkamp in Bislich. Dort – im Außenbereich unmittelbar hinter dem Ortsausgang Richtung Haffen – sind maximal 50 km/h erlaubt. "In diesem Augenblick stand für uns fest: so geht es nicht weiter", sagt Lars Giesen (32), der am Drögenkamp aufgewachsen ist und weiß, "dass das hier immer schon eine Raserstrecke war. Der Hund meiner Eltern ist auch schon angefahren worden." Der junge Familienvater setzte sich nach dem Vorfall, "der das Fass zum Überlaufen gebracht hat", an den Computer und fand die Adresse eines Schreiners aus Süddeutschland, der Starenkasten-Attrappen herstellt und übers Internet vertreibt. Das aus massivem Holz gefertigte Stück hat er mittlerweile auf eine Stange montiert und in seinem Vorgarten aufgestellt. Die Wirkung ist verblüffend. "Auch Nachbarn haben uns bestätigt, dass vor allem ortsfremde Auto- und Motorradfahrer abbremsen", sagt Ehefrau Elke Giesen, Mutter einer 22 Monate alten Tochter.

Info

Buß- und Verwarngeld

Längst nicht jeder geblitzte Autofahrer wird später auch zur Kasse gebeten.

Denn oft sind die Fotos unscharf, lässt sich der Fahrzeugführer nicht identifizieren.

Trotzdem kassieren Polizei und Kreis zusammen jährlich gut 200 000 Euro Verwarn- und Bußgelder von Autofahrern, die bei Geschwindigkeitsüberschreitungen erwischt wurden.

Vor dem Aufbau der knapp 110 Euro teuren "Anlage" – an den Kosten haben sich auch die Nachbarn Sandra und Christian Mühlenweg beteiligt – informierten sich die Eheleute Giesen bei der Polizei, ob sie die Radarfallen-Attrappe überhaupt aufbauen dürfen. "Ja", war die Antwort. Dabei ist für Fragen rund um die Starenkästen eigentlich der Kreis Wesel zuständig.

Rechtlich zunächst kein Problem

Denn nur der setzt im Kampf gegen Temposünder auf stationäre Blitzgeräte. Auf den Fall der Familie Giesen angesprochen erklärt Johannes Cremers, Fachbereichsleiter Straßenverkehr im Kreishaus, "dass rein rechtlich nichts gegen das Aufstellen der Attrappe spricht". Fraglich nur, was passieren würde, wenn ein Autofahrer wegen der Attrappe stark bremst und dabei einen Unfall verursacht. Cremers: "Denkbar, dass in einem solchen Fall der Unfallverursacher gegen den Eigentümer des Kastens ein Verfahren einleitet."

Kreisweit gibt es 19 Starenkästen an Autobahnen (A 42), Land- und Kreisstraßen. Allerdings sind immer nur neun mit einer Kamera ausgestattet. Die Kästen werden nur an Unfallhäufungsschwerpunkten errichtet. Die Entscheidung, wo neue Anlagen aufgestellt werden, trifft eine Unfallkommission, die aus Vertretern von Polizei, Straßenverkehrsbehörde und Kommune besteht.

Bürgern, die sich wie Familie Giesen über Raser vor ihrer Haustüre ärgern, gibt Cremers den Tipp, sich an die Polizei, den Kreis oder das örtliche Ordnungsamt zu wenden. Mit Hilfe einer mobilen Messstationen könne dann festgestellt werden, ob sich der Verdacht, dass zu viele Verkehrsteilnehmer viel zu schnell unterwegs sind, erhärtet oder nicht. Kommentar

Quelle: RP

 
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