Wesel: Aue verträgt mehr Natur
VON THOMAS HESSE - zuletzt aktualisiert: 03.07.2009Wesel (RPO). Der Wahlkampf macht's möglich: Die alte Idee vom "Ökopark Weseler Aue" lebt wieder auf. Ein neues Konzept gibt's nicht, Geld fehlt auch. Aber EU-Fördermittel wären eine Chance. Bio-Station und Naturschutzverbände suchen die Hilfe bei Verwaltung und Politik. Bei der SPD waren sie gestern.
Die Biologische Station Wesel und die Natur- und Umweltverbände (NABU, BUND und Schutzgemeinschaft Deutscher Wald) haben alle in den Kommunen vertretenen Fraktionen aufgefordert, in ihrem Wirkungsbereich mehr für die Artenvielfalt zu tun. Die Naturschützer wurden dabei konkret und machten ortsbezogene Vorschläge, was in der jeweiligen Gemeinde umgesetzt werden könnte. Der Weseler Projektvorschlag ist nicht neu, wurde schon vor zehn Jahren diskutiert, ein fortgeschriebenes Konzept gibt es auch nicht, er hat aber zeitlosen Charme: der "Ökopark Weseler Aue".
Flachwasser und Rinderherde
Politische Reaktionen
Die direkte Informationsschiene zur Bürgermeisterin funktioniert: Die Naturschützer sprachen erst mit dem Rathaus, dann lud die SPD sie ein. Mit der FDP wurde auch gesprochen, die Grünen antworteten schon. Kein Zeichen kam bisher von der CDU-Fraktion.
Die Naturschützer schrieben alle Ratsfraktionen in der Hoffnung auf Reaktionen an (siehe Info), in der Stadtverwaltung waren sie schon zu Gast. "Klar, wir wollen den Naturschutz ins politische Bewusstsein bringen, wir wollen die Debatte erneut anstoßen. Dabei geht es auch um die Verteilung von Geld", sagt Paul Schnitzler von der Biologischen Station mit Sitz am Freybergweg. Er regt an, "alte Ideen vom Öko-Park neu zu bewerten".
Der Biologe nennt drei Ansatzpunkt für den Park, der den Bereich Auesee ökologisch aufwertet und Natur den Besuchern näherbringt. Erstens: Der See hat viel Wasser, aber keinen Flachbereich. "Kleintiere, Amphibien, durchziehende Watvögel brauchen flache Gewässer. Das erhöht die Artenvielfalt", sagt er. Auf der Ostseite des Auesee-Ufers, dort wo ein Wasserrad steht und fördert, wird schon ein trocken gefallener Tonabbau bewässert. Besucher kommen ans Kleinod nicht heran, Spaziergänger auf dem Rundweg kennen die Stelle.
Zweite Aufwertung: Schilfröhricht ist am Auesee verschwunden. Zum Beispiel entlang des Leygrabens – sichtbar teils neben dem Rundweg – könnte die Schilfzone wieder entstehen. Sie wäre Heimat vieler Vögel, die am See nicht mehr vorkommen. Wasserralle und Rohrdommel, ausgesprochene Seltenheiten, bekämen eine Chance.
Nummer drei: "Mehr Rinder in die Aue!", fordert Schnitzler. Das klingt nicht naturnah, aber der Kot der Rindviecher ist als Insektenbrutstätte hervorragende Nahrungsquelle für so genannte Weidevögel. Schafstelze und Wiesenpieper würden der Rindervermehrung folgen, hoffen die Fachleute. Derzeit grasen Rinder – darunter die kleine Heckrinderherde der Bio-Station nur – an zwei Stellen. "Zu wenig", sagt Schnitzler. Landwirte könnten ins Projekt einsteigen. Doch sie müssten Geld bekommen für die entfernte Beweidung.
Finanzen sind überhaupt ein Kernthema für die Naturschützer. Sie denken an EU-Fördermittel, etwa aus der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Um daran zu kommen, braucht es ein neues Konzept und Planungen der Stadt. Das alles steht aus. Ob das gemeinsam angestrebte Projekt die Wahlkampfzeit überdauert, wird sich zeigen.
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