Schermbeck: Auf nackten Sohlen im Wald
VON GERD HEIMING - zuletzt aktualisiert: 16.09.2008Schermbeck (RPO). Über Gras, Sand und Schotter: Ein Ameisen-Barfußpfad führt jetzt durch die Üfter Mark. Schermbecks Bürgermeister Ernst-Christoph würdigt das Projekt des RVR als Beitrag zur Förderung des Tourismus.
Joel zog Schuhe und Strümpfe aus und stapfte unbeirrt durch den Sand. Schon nach wenigen Metern klebte eine schwarze Sohle an seinen Füßen. „Fühlt sich gut an“, sagte der Junge. In der Üfter Mark gibt es jetzt eine ganz besondere Möglichkeit, dem Wald auf die Spur zu kommen. Dort wurde gestern der Ameisen-Barfußpfad offiziell eingeweiht. Die Klasse 3 c der Maximilian-Kolbe-Grundschule in Schermbeck ging voran. 22 Mädchen und Jungen probierten den abwechslungsreichen Bodenbelag als erste aus. Bei gerade mal zwölf Grad machten sich nicht alle Kinder mit nackten Füßen auf die Pirsch, aber das verlangte auch niemand von ihnen – auch nicht Klassenlehrer Klaus Goeke, der selbst mit gutem Beispiel voranging.
Ulrich Carow behielt die Schuhe an. Er ist Bereichsleiter Umwelt des Regionalsverbandes Ruhr (RVR), der den Pfad angelegt hat. Er führt auf einer Länge von 4,2 Kilometern durch die Üfter Mark (siehe Info). Carow erinnerte daran, dass der RVR das 1700 Hektar große Gelände im Jahr 2002 erworben habe und seitdem systematisch etwas dafür tue, Umweltbildung und Naturerlebnis miteinander zu verbinden. Es gehe darum, dem Menschen die Natur (wieder) näherzubringen, so Carow. Dazu leiste der Barfuß-Pad einen Beitrag. Schermbecks Bürgermeister Ernst-Christoph Grüter griff den Ball auf und betonte, dass der Tourismus in Schermbeck eine immer größere Rolle spiele und der RVR viel dafür tue (Reit- und Radwege, Waldspiele). „Ich würde mich freuen, wenn die Zusammenarbeit möglichst lange weitergehen könnte“, sagte Grüter. Damit bekräftigte er seine Meinung, der Kreis Wesel möge dem RVR treu bleiben (RP berichtete). Am Donnerstag legt der Schermbecker Rat seine Marschrichtung in dieser Sache fest.
Ein Wink an den Rat
Martin Wegner, Fachbereichsleiter Umwelt beim Kreis nahm den Ameisenstaat als Beispiel dafür, dass nur durch gemeinsame Anstrengung etwas zu erreichen sei. Beleg dafür seien die Aktivitäten der Regierungsbezirke, Kreise und Kommunen in der Hohen Mark, zu der auch die Üfter Mark zählt, so Wegner.
Der Barfuß-Pfad führt über sieben Stationen, an denen die Waldbesucher allerlei über das Leben der kleinen roten Waldameise und andere Wildtiere im Revier erfahren. So erzählte Revier-Förster Christoph Beemelmans den Grundschulkindern gestern, dass die Ameisenburg (so lautet der korrekte Name, lernte die Klasse 3 c) sogar wie ein natürliches Pflaster wirkt. Ein Reh habe sein gebrochenes Bein in den Bau gehalten, berichtete Beemelmans. Die Ameisen saugen daran und sorgen so dafür, dass sich schnell eine Kruste bildet. So verhindert das Reh, dass Fliegen ihre Eier in die offene Wunde legen.
Der menschliche Fuß gehört nicht in die Ameisenburg. Wer’s gern kitzelig und kribbelig mag, kann das jetzt beim Laufen über Stock und Stein auf Sand, Gras und Schotter hautnah erleben.
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